Eurocoin-Indikator: Neue Methodik für Echtzeit-Wirtschaftsanalyse
Die Banca d'Italia erläutert die zugrundeliegenden Ideen und Methoden des New Eurocoin-Indikators. Dieser kombiniert die Stärken von BIP, Industrieproduktion und Umfragen für eine umfassende, zeitnahe und geglättete Messung der Eurozone-Wirtschaft.
Jenseits von BIP und Umfragen: Die Stärken des Eurocoin
Traditionelle Indikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sind umfassend, werden aber nur vierteljährlich und mit Verzögerung veröffentlicht.
Industrieproduktion (IP) und Umfragen sind zwar zeitnaher, erfassen jedoch nicht den gesamten Wirtschaftsbereich (Dienstleistungen, Landwirtschaft, öffentlicher Sektor) oder enthalten subjektive Einschätzungen.
Alle drei leiden zudem unter kurzfristigen Oszillationen, die mittelfristige Trends verschleiern.
Der Eurocoin-Indikator überwindet diese Schwächen, indem er die positiven Aspekte von BIP, IP und Umfragen vereint: Er ist umfassend wie das BIP, wird monatlich veröffentlicht und liefert täglich zuverlässige Schätzungen.
Zudem ist er von kurzfristigen Schwankungen befreit, was eine klarere Sicht auf den Konjunkturzyklus ermöglicht.
Das Dilemma der Glättung: Phasenverzerrung und Endpunkt-Problem
Um den Konjunkturzyklus zu analysieren, müssen makroökonomische Zeitreihen zunächst von ihrem Trend bereinigt werden, typischerweise durch die Berechnung von Wachstumsraten (Log-Differenzen).
Diese weisen jedoch kurzfristige Oszillationen auf, die für Ökonomen und Entscheidungsträger irrelevant sind.
Eine Glättung, etwa durch Jahresveränderungsraten, entfernt diese Schwankungen, führt aber zu einer unerwünschten Phasenverzerrung, bei der Wendepunkte verzögert angezeigt werden.
Symmetrische gleitende Durchschnitte oder Bandpassfilter könnten dies beheben, benötigen jedoch zukünftige und vergangene Daten.
Dies führt am aktuellen Rand der Stichprobe zu einem kritischen 'Endpunkt-Problem', da fehlende Werte durch Prognosen ersetzt werden müssen, was zu irreführenden Signalen führen kann.
Echtzeit-Präzision durch Faktor-Modelle
Der New Eurocoin-Ansatz löst das kritische Endpunkt-Problem durch den Einsatz fortschrittlicher Faktor-Modelle und multivariater ARMA-Techniken.
Diese methodische Weiterentwicklung ermöglicht eine zuverlässige Echtzeit-Bewertung der mittel- bis langfristigen Wirtschaftskomponente, die für geldpolitische Entscheidungen unerlässlich ist.
Die Komplexität der zugrundeliegenden Statistik wird durch die praktische Relevanz des Indikators für eine präzisere Konjunkturanalyse mehr als aufgewogen.