Scotti skizziert drei KI-Szenarien für Finanzmärkte
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Scotti skizziert drei KI-Szenarien für Finanzmärkte

Chiara Scotti, stellvertretende Gouverneurin der Banca d'Italia, beleuchtet die Transformation des Finanzsystems durch Digitalisierung und KI. Sie identifiziert Chancen und Herausforderungen und skizziert drei Zukunftsszenarien für Regulierungsbehörden.

Digitalisierung als Chance und Risiko

Die Digitalisierung, umfassend Distributed-Ledger-Technologien (DLTs), Krypto-Assets und Künstliche Intelligenz (KI), revolutioniert das traditionelle Finanzsystem.

Chiara Scotti betont, dass sich daraus neue Möglichkeiten ergeben, etwa durch Effizienzsteigerungen bei Intermediären, verbesserte Kundendienste und eine höhere finanzielle Inklusion.

Gleichzeitig stehen Zentralbanken und Aufsichtsbehörden vor der Herausforderung, potenzielle Bedrohungen für die solide Geschäftsführung von Intermediären, die Stabilität des Finanzsystems, die reibungslose Funktion des Zahlungssystems und den Verbraucherschutz zu identifizieren.

Scotti plädiert für einen systemischen Ansatz und eine mittelfristige Perspektive, um robuste und flexible Strategien zu entwickeln, die nicht nur das wahrscheinlichste, sondern auch alternative Szenarien berücksichtigen.

Ziel sei es, Maßnahmen zur Risikosteuerung und Schadensbegrenzung zu antizipieren.

Drei Wege in die Finanzzukunft

Scotti stellt drei hypothetische Szenarien für die Entwicklung des Finanzsystems vor.

Im ersten Szenario, 'Moderne und digitalisierte Finanzintermediäre', entwickeln traditionelle Banken Technologien intern und konkurrieren mit Big Techs.

Sie behalten die Kundenbeziehungen und das operationelle Risiko im Finanzsektor.

Das zweite Szenario, 'Banking-as-a-Service', sieht Big Techs als führende Technologieanbieter, die Banken zunehmend abhängig machen.

Kooperationen könnten hier innovative Zahlungslösungen fördern.

Das dritte Szenario, 'Ein dezentralisiertes Finanzsystem', beschreibt ein Mainstream-Krypto-Ökosystem, in dem DeFi über öffentliche DLT-Plattformen Finanzdienstleistungen anbietet und traditionelle Banken umgeht.

Dies könnte bis hin zu direkten Transaktionen zwischen Endnutzern über Smart Contracts reichen.

Regulierung im Blindflug?

Die von Scotti skizzierten Szenarien sind wertvolle Denkanstöße, doch sie offenbaren die immense Herausforderung für Regulierungsbehörden, in einem derart dynamischen Umfeld handlungsfähig zu bleiben.

Die inhärente Unvorhersehbarkeit technologischer Entwicklungen birgt die Gefahr, dass Regulierungen entweder Innovationen im Keim ersticken oder den Marktentwicklungen chronisch hinterherhinken.

Letztlich unterstreicht die Rede die dringende Notwendigkeit adaptiver regulatorischer Rahmenbedingungen, ohne jedoch konkrete, sofort umsetzbare Lösungen für die skizzierten Risiken zu liefern.

Quelle: From Analysis to Action: AI in Financial Markets*

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