Altimari: Globale Ungleichgewichte bedrohen Stabilität in fragmentierter Welt
Trotz positiver Wirtschaftszahlen 2025 warnte Sergio Nicoletti Altimari, Vize-Generaldirektor der Banca d'Italia, vor wachsenden globalen Ungleichgewichten. Diese könnten in einer fragmentierten Weltwirtschaft destabilisierend wirken, wenn sie nicht rechtzeitig angegangen werden.
Scheinbar robuste Weltwirtschaft auf fragilen Fundamenten
Die Weltwirtschaft zeigte sich 2025 widerstandsfähig, mit globalem Wachstum über 3 Prozent und sinkender Inflation, so die Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF).
Auch die Revolution der Künstlichen Intelligenz stützt Investitionen und Handel, da etwa die Hälfte des globalen Handelsanstiegs im letzten Jahr auf KI-bezogene Produkte entfiel.
Doch unter dieser Oberfläche akkumulieren sich destabilisierende Ungleichgewichte, warnte Sergio Nicoletti Altimari.
Er konzentrierte sich auf drei Hauptrisiken, die für die Geldpolitik und Finanzstabilität besonders relevant sind: den Anstieg des globalen Staatschuldenstands, persistente Handelsungleichgewichte und Schwachstellen in spezifischen Finanzmarktsegmenten, die Risiken verstärken könnten.
Staatsverschuldung und Handelsungleichgewichte als Risikofaktoren
Der öffentliche Schuldenstand in großen Volkswirtschaften hat historisch hohe Niveaus erreicht, etwa 230 Prozent des BIP in Japan und über 120 Prozent in den USA.
Das IWF prognostiziert, dass die globale Staatsverschuldung bis 2030 über 100 Prozent des BIP steigen wird – der höchste Wert seit 1948. Dies schränkt die Handlungsfähigkeit bei neuen Krisen ein und erhöht die Unsicherheit für Märkte und Geldpolitik.
Parallel dazu haben sich die globalen Leistungsbilanzungleichgewichte wieder verstärkt, mit einem aggregierten Wert von 3,6 Prozent des weltweiten BIP im Jahr 2024. Die USA tragen etwa drei Viertel des globalen Defizits, während China und die Eurozone die Hälfte des Überschusses ausmachen, getrieben von inländischen Faktoren wie übermäßigen Ausgaben in den USA und schwacher Binnennachfrage in China.
Gefährliche Ruhe vor dem Sturm
Altimaris Analyse zeigt, dass die scheinbar stabile Weltwirtschaft auf fragilen Fundamenten ruht, die durch geopolitische Spannungen zusätzlich belastet werden.
Die angesprochenen Ungleichgewichte erfordern dringend koordinierte politische Antworten, deren Umsetzung in einer fragmentierten Welt jedoch zunehmend erschwert wird.
Ohne entschlossenes Handeln drohen langfristig destabilisierende Effekte auf Währungen, Finanzmärkte und die globale Stabilität.