Italiens Finanzreform: Mehr Wagniskapital für Innovation
Paolo Angelini, Vize-Generaldirektor der Banca d'Italia, stellte die Reform des italienischen Finanzrechts (TUF) vor. Ziel ist es, den Markt für verwaltetes Sparen zu stärken und die Finanzierung von Innovationen zu fördern.
Europas Innovationsdefizit und das Wagniskapital-Paradox
Die EU und Italien leiden unter einem „Innovationsdefizit“, einem Haupttreiber für Produktivitätswachstum.
Jährlich werden rund 300 Milliarden Euro europäischer Ersparnisse außerhalb der EU investiert, statt in risikoreiches Kapital für innovative Unternehmen.
Dies liegt am bankzentrierten Finanzsystem Europas und der geringen Risikobereitschaft institutioneller Anleger für langfristige, illiquide Projekte.
Venture Capital (VC) und Private Equity (PE) sind in Italien unterentwickelt.
Öffentliche Investitionen, wie die der Cassa Depositi e Prestiti, spielen eine wichtige Rolle.
Auch die geringe Risikobereitschaft der Haushalte, bei der über 70 Prozent kein finanzielles Risiko eingehen wollen, trägt dazu bei.
Finanzbildung soll hier langfristig Abhilfe schaffen.
Neue Wege für das verwaltete Sparen
Die TUF-Reform beseitigt über Jahre entstandene normative Schichten und nutzt Vereinfachungsmöglichkeiten der EU-Gesetzgebung.
Sie führt drei wesentliche Neuerungen ein: Erstens, ein vereinfachtes Registrierungsregime für sogenannte „Unter-Schwellen“-Manager (unter 500 Mio. Euro oder 100 Mio. Euro verwaltetes Vermögen) mit reduzierter Aufsicht.
Zweitens, die Einführung von „Società di Partenariato“ (SP), geschlossene Gesellschaften für professionelle Anleger, die in VC und PE investieren.
Drittens, die definitive Aufnahme privater Vorsorgekassen als professionelle Anleger von Rechts wegen, was den Prüfaufwand reduziert und ihre Kompetenzen stärkt.
Notwendige Schritte, begrenzte Wirkung
Die TUF-Reform bringt wichtige Neuerungen für das verwaltete Sparen, ohne den stabilen Sektor radikal zu verändern.
Sie beseitigt normative Schichten und vereinfacht Regeln, was die Wettbewerbsfähigkeit Italiens stärken kann.
Dennoch wäre es illusorisch zu glauben, dass sie allein das Innovationsdefizit löst, da strukturelle Probleme wie die geringe Risikobereitschaft der Haushalte bestehen bleiben.