Laviola: Neue EU-Geldwäscheaufsicht fordert Banken
Sebastiano Laviola von der Banca d'Italia beleuchtet die neue europäische Geldwäscheaufsicht. Er betont die Notwendigkeit proaktiver Anpassungen der Banken an die sich wandelnden Risiken und Vorschriften.
Europas neue Geldwäsche-Architektur steht
Die EU etabliert mit der Geldwäsche-Verordnung (AMLR), einer Richtlinie zu Aufsichtsbefugnissen (AMLD6) und der Europäischen Geldwäschebehörde (AMLA) eine neue Architektur zur Bekämpfung der Geldwäsche.
Die AMLA ist operativ, hat ihr erstes Dreijahresprogramm (2026-2028) veröffentlicht und die Prozesse für die Direktaufsicht ab 2028 eingeleitet.
Ab dem 10. Juli 2027 wird das Single Rulebook für Banken verbindlich, was umfassende Anpassungen bei Organisationsstrukturen, internen Richtlinien und Risikobewertungsmodellen erfordert.
Die AMLA wird ab 2028 bis zu vierzig Finanzgruppen und -intermediäre direkt beaufsichtigen, wobei die Banca d'Italia Daten bis zum 15. August übermittelt.
Trotz langfristiger Vorteile einer harmonisierten Aufsicht stellen knappe Fristen für technische Standards und die Notwendigkeit der Vereinfachung erhebliche Herausforderungen dar.
Eine proaktive Anpassung der Intermediäre ist unerlässlich; ihre qualifizierte Beteiligung an den AMLA-Konsultationen ist entscheidend für effektive und verhältnismäßige Standards.
Geldwäsche-Risiken im Wandel
Die Risiken von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung entwickeln sich rasant, angetrieben durch geopolitische Konflikte und technologische Innovationen wie Krypto-Assets, KI und Cyberkriminalität.
Die Banca d'Italia hat ihre Aufsichtsaktivitäten verstärkt, mit einem Anstieg der Interventionen um 70 Prozent zwischen 2022 und 2025.
Eine positive GAFI-Bewertung bestätigt das solide Risikoverständnis der italienischen Finanzintermediäre.
Die Aufsicht verfeinerte ihre Analysen durch Kombination individueller Risikobewertungen mit thematischen Untersuchungen zu neuen Risikofaktoren.
Trotz positiver Entwicklung zeigen sich weiterhin Schwächen in der Unternehmensführung einiger Institute, besonders bei der Identifizierung des wirtschaftlich Berechtigten.
Für größere Intermediäre ist die Stärkung der Koordinierungsrolle der Muttergesellschaft gegenüber Tochtergesellschaften entscheidend, um den Informationsaustausch zu verbessern.
Harmonisierung mit Hürden
Die neue europäische Geldwäsche-Architektur ist ein notwendiger Schritt gegen transnationale Finanzkriminalität, doch ihre Komplexität und die knappen Fristen stellen Banken vor erhebliche Herausforderungen.
Während die langfristigen Vorteile der Harmonisierung klar sind, bleiben die unmittelbaren Compliance-Kosten und der Bedarf an Vereinfachungen kritische Punkte.
Die aktive Beteiligung italienischer Banken an den Konsultationen ist entscheidend, um effektive und verhältnismäßige Standards zu gewährleisten.