Digitaler Euro: Status, Haltegrenzen und Vertriebsmodelle diskutiert
BDI Press Read in English

Digitaler Euro: Status, Haltegrenzen und Vertriebsmodelle diskutiert

Die Banca d'Italia traf sich mit Zahlungs- und E-Geld-Instituten, um den aktuellen Stand des digitalen Euro zu erörtern. Im Fokus standen die technischen Fortschritte, geplante Haltegrenzen und die zukünftigen Vertriebsmodelle.

Wandel der Zahlungsgewohnheiten und strategische Autonomie

Die Einführung des digitalen Euro wird durch sich ändernde Konsumgewohnheiten vorangetrieben: Der Bargeldgebrauch nimmt ab, während Online- und App-basierte Zahlungen stark zunehmen.

In Italien stieg der Anteil bargeldloser Zahlungen am Point-of-Sale von 35 Prozent im Jahr 2022 auf 51 Prozent im Jahr 2024.

Zudem ist der europäische Zahlungsmarkt stark fragmentiert und wird von nicht-europäischen Anbietern dominiert.

Rund 70 Prozent der Kartenzahlungen laufen über internationale Schemata.

Der digitale Euro soll hier eine europäische Lösung bieten, die strategische Autonomie stärken und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Zahlungsindustrie fördern.

Er verspricht Bürgern Inklusivität, verbesserte Privatsphäre und Wahlfreiheit, während Unternehmen von sofortigen Zahlungen und niedrigeren Akzeptanzkosten profitieren sollen.

Ein besonderer Fokus liegt auf Offline-Funktionen, die dem Bargeld ähneln, aber digitale Vorteile bieten.

Vom Konzept zur Pilotphase: Der Fahrplan des digitalen Euro

Das Projekt digitaler Euro durchläuft mehrere Phasen: Nach der Untersuchungsphase (Oktober 2021 – Oktober 2023) und der Vorbereitungsphase (November 2023 – Oktober 2025) befindet sich das Projekt seit November 2025 in einer flexiblen, modularen Phase.

Diese konzentriert sich auf die technische Vorbereitung, die Intensivierung der Marktbeteiligung und die Unterstützung des Gesetzgebungsprozesses.

Ein zwölfmonatiges Pilotprojekt, das reale Transaktionen in einer kontrollierten Umgebung umfasst, soll ab Mitte 2027 starten.

Die Auswahl der teilnehmenden Zahlungsdienstleister (PSP) beginnt bereits im ersten Quartal 2026.

Parallel dazu wird ein Regelwerk (Rulebook) entwickelt, das offene Standards für eine harmonisierte Zahlungserfahrung im Euroraum gewährleisten soll.

Der Gesetzgebungsprozess sieht die Veröffentlichung des Regulierungsvorschlags im Juni 2023 vor, mit dem Ziel der Annahme der Parlamentsposition im Mai 2026 und der Regulierung im Jahr 2026.

Eine mögliche erste Emission des digitalen Euro könnte dann im Jahr 202x erfolgen.

Stabilität und Akzeptanz: Die Gratwanderung der Haltegrenzen

Die technische Analyse der Haltegrenzen für den digitalen Euro ist entscheidend, um die Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten und gleichzeitig die Nutzbarkeit zu fördern.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen, wie die Nicht-Verzinsung und automatische Übertragungsfunktionen, sollen verhindern, dass der digitale Euro eine Alternative zu Bankeinlagen wird.

Obwohl die Analyse geringe Abflüsse und stabile Liquiditätsindikatoren prognostiziert, bleibt die genaue Kalibrierung eine komplexe Aufgabe, die einen Kompromiss zwischen geldpolitischer Wirksamkeit und Finanzstabilität erfordert.

Die enge Zusammenarbeit mit dem Markt und die schrittweise Einführung sind daher unerlässlich, um Akzeptanz zu schaffen und unvorhergesehene Risiken zu minimieren.