Banca d'Italia: Mobilfunkdaten liefern präzise Reisestatistiken
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Banca d'Italia: Mobilfunkdaten liefern präzise Reisestatistiken

Die Banca d'Italia (BDI) nutzt seit 2020 Mobilfunkdaten, um internationale Reisende für die Zahlungsbilanz zu erfassen. Eine neue Studie belegt die Vorteile dieser Methode gegenüber traditionellen Erhebungen.

Datenquelle der Zukunft: Mobilfunkdaten im Einsatz

Seit Ende 2020 integriert die Banca d'Italia (BDI) Mobilfunkdaten (MPD) in die Schätzung internationaler Reisender für den Posten 'Reisen' der Zahlungsbilanz.

Diese Daten ergänzen administrative Quellen und manuelle Zählungen.

Im Vergleich zu traditionellen Techniken bieten MPD eine kontinuierliche zeitliche Abdeckung, eine breitere geografische Reichweite, höhere Aktualität und reduzierte Kosten.

Die BDI betont, dass eine effektive Integration eine enge Zusammenarbeit mit Mobilfunknetzbetreibern (MNOs) erfordert, um Rohdaten an offizielle statistische Definitionen anzupassen.

Vergleiche mit hochzuverlässigen administrativen Daten von Grenzbehörden bestätigen die hohe Qualität der MPD-Schätzungen für internationale Touristenströme.

Trotz des Potenzials nutzen nur wenige Länder MPD in der offiziellen Statistik, da die Übersetzung von Tourismusdefinitionen in die Terminologie der Telefonie komplex ist.

Die BDI hat diese Herausforderung gemeistert und liefert umfassendere Informationen zu Grenzübertritten bei geringeren Kosten.

Von Umfragen zu Big Data: Der Paradigmenwechsel

Die Analyse des Tourismus ist entscheidend für die Steuerung seiner sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen.

Bislang stützten sich Tourismusstatistiken hauptsächlich auf teure und aufwendige Umfragen mit großen Stichprobenfehlern.

Mobilfunkdaten überwinden diese Limitationen durch kontinuierliche Datenerfassung und breite geografische Abdeckung.

Allerdings ist ihre Reichweite von der Marktabdeckung des jeweiligen Mobilfunknetzbetreibers abhängig.

Die BDI begann 2018 mit der Experimentierphase und integrierte MPD seit 2020. International haben auch die estnische Zentralbank Eesti Pank (seit 2008) und das indonesische Statistikamt BPS-Statistics (seit 2016) Mobilfunkdaten für ihre offiziellen Tourismusstatistiken adaptiert.

Ein wesentlicher Nachteil von MPD bleibt jedoch das Fehlen qualitativer Informationen wie Reisegrund oder Unterkunftstyp sowie die Ausgaben der Reisenden, die für die Zahlungsbilanz von grundlegender Bedeutung sind.

Daher ist eine Integration mit traditionellen Erhebungen weiterhin notwendig.

Pionierarbeit mit Grenzen

Die Banca d'Italia nimmt mit ihrer Integration von Mobilfunkdaten eine Vorreiterrolle in der europäischen Statistik ein.

Diese Methode liefert zwar präzisere und kostengünstigere Daten zu Reiseströmen, ersetzt aber nicht die Notwendigkeit traditioneller Erhebungen für qualitative Aspekte und Ausgaben.

Der Erfolg hängt maßgeblich von der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit den Mobilfunknetzbetreibern ab, um die Datenqualität und -relevanz zu sichern.