Panetta: Euro braucht Wachstum, Kapitalmarktunion, Digitalisierung
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Panetta: Euro braucht Wachstum, Kapitalmarktunion, Digitalisierung

Banca d'Italia-Gouverneur Fabio Panetta würdigt Robert Mundells Vision für den Euro. Er fordert Wachstum, eine Kapitalmarktunion und die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs, um die Währung zukunftsfest zu machen.

Politische Geburt, harte Bewährungsproben

Professor Robert Mundell, Nobelpreisträger von 1999, sah Europa 1969 an einem Scheideweg – eine Beschreibung, die auch heute noch frappierend aktuell klingt.

Für Mundell war der Fall einer europäischen Währung primär politisch, nicht ökonomisch begründet.

Er verstand, dass die Europäische Währungsunion von Anfang an Teil eines größeren politischen Projekts war, das aus den Trümmern zweier Weltkriege entstand.

Die Entschlossenheit, einen weiteren Bruderkrieg zu verhindern, führte 1951 zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl.

Dreißig Jahre nach Mundells politischem Plan wurde der Euro Realität.

Die globale Finanzkrise 2007-08 und die Staatsschuldenkrise 2010-11 stellten diese Vision auf eine harte Probe.

Asymmetrische Schocks und unkoordinierte Fiskalpolitik führten zu einer schädlichen Fragmentierung, die Ängste um das Überleben der Eurozone aufkommen ließ.

Die makroökonomische Stabilisierung lastete allein auf der Geldpolitik, bis Mario Draghis 'whatever it takes' die Wende brachte.

Krisen als Katalysator für Integration

Die zweite Krisenwelle, ausgelöst durch die Pandemie und den Energieschock nach Russlands Invasion in der Ukraine, war noch schwerwiegender.

Diesmal reagierte Europa jedoch schnell und koordiniert.

Das Programm 'Next Generation EU' ergänzte die Geldpolitik, während nationale Maßnahmen Haushalte und Unternehmen abfederten.

Die aktuellen Herausforderungen gehen über die reine Schockresilienz hinaus.

Europa muss sich für eine Welt rüsten, in der Sicherheit, Technologie, Finanzen und monetäre Souveränität zunehmend miteinander verbunden sind.

Dies erfordert den politischen Willen, die institutionelle Architektur des Euro zu vollenden.

Schrittmacher statt Krisenreaktion

Jean Monnets Diktum, Europa werde in Krisen geschmiedet, ist angesichts der rasanten Veränderungen nicht mehr ausreichend.

Stattdessen muss die Zukunft proaktiv gestaltet werden, bevor neue Krisen zum Handeln zwingen.

Der Euro ist dabei mehr als eine Währung; er ist ein Symbol für Einheit, Souveränität und die Fähigkeit, europäische Werte zu verteidigen.