Italien: Neuer Indikator für systemisches Finanzrisiko
Ein neuer Indikator soll das systemische Risiko im italienischen Finanzzyklus besser erfassen. Luca Moller von der Banca d'Italia schlägt den 'Cyclical Risk Indicator' (CRI) vor, um Frühwarnsignale für Finanzkrisen zu verbessern.
Grenzen des Kredit-BIP-Gaps
Finanzzyklen, die durch Boom-Bust-Dynamiken gekennzeichnet sind, gelten als Haupttreiber von Finanzkrisen und nachfolgenden Wirtschaftsabschwüngen.
Makroprudenzielle Politik zielt darauf ab, diese Risiken durch die Stärkung der Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems in Expansionsphasen zu mindern, hauptsächlich mittels des antizyklischen Kapitalpuffers (CCyB).
Während die Kredit-BIP-Lücke als Standardreferenz für die Kalibrierung des CCyB dient, sind ihre Grenzen bei der Erfassung des gesamten Spektrums der Finanzzyklusdynamik zunehmend offensichtlich geworden.
Eine wachsende Zahl makroprudenzieller Behörden ergänzt die Kreditlücke mit zusätzlichen Indikatoren, um CCyB-Entscheidungen zu treffen, wobei der Schwerpunkt zunehmend auf Verbundindikatoren des Finanzzyklus liegt.
Dieses Papier schlägt einen Verbundindikator für systemisches Risiko im italienischen Finanzzyklus vor, den Cyclical Risk Indicator (CRI).
Der CRI wird als gewichteter Durchschnitt der leistungsstärksten Finanzzyklusindikatoren konstruiert und bietet eine umfassende Bewertung des systemischen zyklischen Risikos.
Empirische Analysen zeigen, dass der CRI zusätzliche Informationen für die Frühwarnung vor finanziellen Schwierigkeiten und extremen makroökonomischen Ergebnissen im Vergleich zur Kreditlücke liefert.
Durch die Einführung des CRI könnte die italienische makroprudenzielle Behörde ein nuancierteres Verständnis der Finanzzyklusdynamik gewinnen, was fundiertere und zeitnahe politische Entscheidungen ermöglicht.
Dies würde wiederum zu einem widerstandsfähigeren Finanzsystem führen und die Auswirkungen zukünftiger Finanzkrisen mindern.
Frühwarnsystem für Finanzstabilität
Die Stabilität selbst kann destabilisierend wirken, da sie die Voraussetzungen für Finanzbooms schafft, in denen sich Anfälligkeiten ansammeln.
Finanzkrisen können schwerwiegende makroökonomische Auswirkungen haben, die zu tiefen Rezessionen und langsamen Erholungen führen.
Daher ist ein Hauptziel der makroprudenziellen Politik, die Widerstandsfähigkeit des Finanzsektors gegenüber systemweiten finanziellen Schwierigkeiten zu gewährleisten.
Der CCyB ist das zentrale Instrument hierfür, dessen Kalibrierung traditionell auf der Kredit-BIP-Lücke basiert.
Die Basler Kommission für Bankenaufsicht (BCBS) und der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) erkennen jedoch an, dass die Kreditlücke nicht immer ausreicht und durch andere relevante Indikatoren ergänzt werden sollte.
Dazu gehören Immobilienpreise, Kreditentwicklungen, externe Ungleichgewichte und die Stärke der Bankbilanzen.
Die Studie von Moller folgt dem Trend anderer europäischer Länder und der EZB, die bereits Verbundindikatoren zur Bewertung des zyklischen Risikos nutzen.