KI-Einsatz: Produktivitätseffekte und Förderpolitik
Italien hinkt bei der KI-Adoption hinterher, doch die Technologie birgt enormes Produktivitätspotenzial. Eine neue Studie der Banca d'Italia zeigt, wie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz das BIP im nächsten Jahrzehnt um bis zu 1,1 Prozentpunkte jährlich steigern könnte.
Italiens KI-Rückstand und das Solow-Paradox
Die Banca d'Italia-Umfrage Invind zeigt: Der Anteil der italienischen Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern, die KI-Tools nutzen, stieg von 27 Prozent im Jahr 2025 auf 32 Prozent Anfang 2026.
Die intensive Nutzung bleibt mit 5 Prozent gering.
KI wird primär zur Prozessoptimierung eingesetzt, weniger für neue Produkte.
Im Vergleich zur EU liegt Italien vier Punkte, zu Deutschland fast zehn Punkte zurück.
Kurzfristig sind keine signifikanten Produktivitätseffekte auf Unternehmensebene erkennbar.
Dies ist konsistent mit der Literatur, die besagt, dass aggregierte Vorteile erst nach erheblichen organisatorischen Anpassungen eintreten.
Die Erfahrung mit IKT in den 1980er und 90er Jahren, bekannt als Solow-Paradox, lehrt, dass tiefgreifende Technologieadoption und die Neugestaltung von Prozessen für signifikante Produktivitätssteigerungen unerlässlich sind.
Hürden und die Rolle staatlicher Förderung
Die Studie identifiziert zentrale Barrieren für die KI-Adoption.
Weniger strukturierte Unternehmen haben Schwierigkeiten, den Nutzen zu bewerten, passende Anwendungen zu finden und die nötigen Kompetenzen sowie Kapital zu beschaffen.
Zudem können Vorteile über das einzelne Unternehmen hinausgehen, etwa durch Wissensverbreitung entlang der Wertschöpfungsketten oder Netzwerkeffekte.
Da Unternehmen nur einen Teil dieser externen Vorteile berücksichtigen, besteht das Risiko einer suboptimalen Adoptionsrate.
Öffentliche Interventionen sind daher gerechtfertigt, um Informations- und Organisationshürden abzubauen, Kompetenzen zu fördern und die Diskrepanz zwischen privatem und gesellschaftlichem Ertrag der Technologie zu verringern.
Dies ist besonders relevant, da viele Unternehmen die Potenziale und Anwendungsfälle von KI noch kaum kennen.
Ein Weckruf für die Politik
Die Banca d'Italia liefert eine wichtige Bestandsaufnahme, die den Handlungsbedarf in Italien klar aufzeigt.
Die Erkenntnis, dass kurzfristige Produktivitätseffekte ausbleiben, unterstreicht die Notwendigkeit langfristiger Strategien und organisatorischer Anpassungen.
Ohne gezielte politische Unterstützung droht Italien, den Anschluss an die europäische Spitze weiter zu verlieren und das volle Potenzial der KI ungenutzt zu lassen.