EU-Bonds: Kein sicherer Hafen ohne Investoren
EU-Anleihen zahlen höhere Zinsen als vergleichbar sichere Staatsanleihen. Eine Studie der Banca d'Italia zeigt: Der Grund liegt in der geringen Investorenbasis und dem fehlenden souveränen Status.
Das Paradox der EU-Anleihen
Obwohl EU-Anleihen von ihren Mitgliedsländern gemeinsam garantiert und mit AAA bewertet sind, zahlen sie höhere Zinsen als vergleichbare Staatsanleihen.
Der Spread liegt bei rund 50 Basispunkten und hat sich auch bei verdoppeltem Volumen kaum verringert.
Die Preise der EU-Anleihen reagieren zudem empfindlicher auf schlechte Nachrichten und geldpolitische Verschärfungen.
Dies deutet darauf hin, dass sie nicht als sicherer Hafen funktionieren.
Die Studie widerlegt gängige Erklärungen wie das wahrgenommene Kreditrisiko und zeigt, dass der Spread bis zu zehnmal höher ist, als das Ausfallrisiko allein rechtfertigen würde.
Selbst Anleihen der KfW, die vollständig von Deutschland garantiert sind, weisen ähnliche Spreads auf.
Die unsichtbare Hand der Indizes
Der Hauptgrund für den Spread ist der rechtliche Status der EU-Anleihen als „Supranationals“.
Sie sind von den wichtigsten Anleiheindizes ausgeschlossen, da ihnen der formelle souveräne Status fehlt.
Dies schränkt die Investorenbasis erheblich ein.
Eine kleinere Basis bedeutet, dass die Preise in Krisen stärker fallen, was die Anleihen für Investoren mit Liquiditätsbedarf, wie Investmentfonds und ausländische Zentralbanken, unattraktiv macht.
Diese Investoren meiden EU-Anleihen, obwohl sie sicher sind, da sie in Stressphasen hohe Abflüsse verzeichnen und liquide Vermögenswerte zu hohen Preisen veräußern müssen.
Versicherungen und Geschäftsbanken hingegen, die keine kurzfristigen Liquiditätsbedürfnisse haben, sind enthusiastische Käufer von EU-Anleihen, können den Spread aber nicht eliminieren, da sie im Vergleich zu Investmentfonds und ausländische Investoren zu klein sind.
Rechtlicher Status entscheidet über Sicherheit
Die Studie entlarvt die Annahme eines „EU-Premiums“ aufgrund politischer Fragmentierung als unzureichend.
Stattdessen zeigt sie, dass der rechtliche Status von EU-Anleihen als „Supranationals“ deren Marktakzeptanz massiv behindert.
Eine Anerkennung als vollwertiger souveräner Emittent wäre der entscheidende Schritt zu einem echten europäischen Safe Asset.
Dies würde die Kreditkosten der EU erheblich senken, während die Renditen nationaler Regierungen nur geringfügig steigen würden.