Studie: Immaterielles Kapital treibt US-Wachstum stärker als EU
Drei Ökonomen der Banca d'Italia analysieren die Rolle von immateriellem Kapital in sechs fortgeschrittenen Volkswirtschaften von 2000 bis 2021. Sie zeigen eine deutliche Divergenz zwischen Ländern mit hoher und niedriger Intensität immaterieller Investitionen.
Transatlantische Kluft bei immateriellem Kapital
Eine neue Studie der Banca d'Italia untersucht die Relevanz von immateriellem Kapital in sechs fortgeschrittenen Volkswirtschaften (Italien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien und den USA) im Zeitraum 2000-2021.
Unter Berücksichtigung einer erweiterten Messgröße, die auch nicht in den nationalen Konten erfasste immaterielle Vermögenswerte wie Organisationsmodelle einschließt, dokumentiert die Analyse eine klare Divergenz: Die USA, Großbritannien und Frankreich weisen höhere Niveaus an immateriellem Kapital und Investitionen auf, während Italien, Deutschland und Spanien eine geringere Akkumulation zeigen.
Die Zusammensetzung des Kapitals unterscheidet sich ebenfalls transatlantisch: In den USA dominiert organisatorisches Kapital, während europäische Länder auf Industriedesign spezialisiert sind.
Dieser Unterschied spiegelt tiefgreifende strukturelle und institutionelle Faktoren wider, die die Spezialisierung und Finanzierung von Unternehmen beeinflussen.
Strukturelle Hürden für immaterielle Investitionen
Die Studie identifiziert mehrere Faktoren, die diese Divergenz erklären.
Länder mit hoher Intensität immaterieller Vermögenswerte konzentrieren sich stärker auf den Dienstleistungssektor und fortschrittliche Fertigung.
Zudem unterstützen marktbasierten Finanzsysteme, insbesondere mit entwickeltem Risikokapital, immaterielle Investitionen besser als bankbasierte Systeme, da immaterielle Vermögenswerte schwer als Sicherheiten dienen können.
Auch die Qualität des Humankapitals spielt eine Rolle: Länder mit höherer Tertiärbildung weisen tendenziell mehr immaterielles Kapital auf.
Interessanterweise scheint die Qualität der Institutionen zum Schutz des geistigen Eigentums keinen systematischen Unterschied zwischen den Ländergruppen zu machen.
Mehr als nur Zahlen
Die Ergebnisse unterstreichen, dass immaterielles Kapital ein entscheidender, aber oft unterschätzter Wachstumstreiber ist.
Für europäische Länder mit geringerer Akkumulation bedeutet dies, dass ein bloßes Nachahmen der US-Modelle nicht ausreicht; stattdessen sind gezielte Reformen in Finanzierung und Humankapital notwendig.
Nur so lässt sich das volle Produktivitätspotenzial dieser unsichtbaren Vermögenswerte ausschöpfen und die Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.