Studie: Wohlstand und Geschlechtergleichheit regional asymmetrisch
Drei Ökonomen der Banca d'Italia untersuchen das komplexe Zusammenspiel von multidimensionalem Wohlstand und Geschlechtergleichheit in italienischen Regionen (2018-2023). Ihre Analyse zeigt strukturelle Asymmetrien und fehlende Konvergenz bei der Geschlechtergleichheit.
Wohlstand im Norden, Gleichheit fragmentiert
Dieses Papier untersucht den komplexen Zusammenhang zwischen multidimensionalem Wohlstand und Geschlechtergleichheit in italienischen Regionen von 2018 bis 2023.
Die Autoren schlagen ein duales Analysekonzept vor, indem sie zwei unterschiedliche Verbundindikatoren aus dem Istat-Datensatz 'Benessere equo e sostenibile' (BES) konstruieren.
Ein Indikator misst den regionalen Gesamtwohlstand, der andere spiegelt die Geschlechtergleichheit wider, nachdem sie von den Leistungsniveaus entkoppelt wurde.
Die Analyse liefert drei zentrale Ergebnisse: Erstens besteht eine strukturelle Asymmetrie, bei der der Wohlstand einem klaren Nord-Süd-Gefälle folgt, während die Geschlechtergleichheit geografisch fragmentiert ist.
Zweitens identifiziert eine Hauptkomponentenanalyse fünf unterschiedliche regionale Gruppen, die verschiedene Entwicklungspfade aufzeigen.
Drittens zeigt eine dynamische Analyse, dass der Wohlstand eine bescheidene Konvergenz aufweist, die Geschlechtergleichheit jedoch nicht, was darauf hindeutet, dass sich Geschlechterlücken nicht von selbst korrigieren.
Dieser duale Ansatz ist entscheidend für die Gestaltung gezielter, ortssensibler Politiken.
Jenseits des BIP: Italien als Testfall
Die Kritik am Bruttoinlandsprodukt (BIP) als alleiniges Maß für gesellschaftliche Entwicklung ist alt.
Die globale 'Beyond-GDP'-Agenda, verankert in den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs), fordert eine multidimensionale Bewertung von Fortschritt.
Diese muss materielle, soziale, ökologische und institutionelle Aspekte des Wohlstands umfassen.
Das vorliegende Papier erweitert diese Debatte, indem es die räumliche Verteilung von Wohlstand und Geschlechtergleichheit als Dimension der Verteilungsgerechtigkeit untersucht.
Italien dient als idealer empirischer Rahmen, da das Land langjährige territoriale Unterschiede in Wirtschaftsleistung, Beschäftigung und öffentlichen Dienstleistungen aufweist.
Die reichhaltigen subnationalen Daten der 'Benessere Equo e Sostenibile' (BES)-Initiative ermöglichen eine detaillierte Analyse dieser regionalen und geschlechterspezifischen Ungleichheiten.
Ein Weckruf für die Politik
Die Studie entlarvt die Illusion einer automatischen Konvergenz bei der Geschlechtergleichheit und liefert einen wichtigen Weckruf.
Ihre Ergebnisse sind ein klarer Aufruf an die Politik, von pauschalen Maßnahmen abzurücken und stattdessen gezielte, regionale und geschlechterspezifische Interventionen zu entwickeln.
Nur so lassen sich die hartnäckigen Asymmetrien im Wohlstand und bei der Gleichheit effektiv adressieren und echte Fortschritte erzielen.