Öl- und Gasschocks: Unterschiedliche Inflationsfolgen in der Eurozone
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Öl- und Gasschocks: Unterschiedliche Inflationsfolgen in der Eurozone

Eine neue Studie der Banca d'Italia zeigt, dass Öl- und Gasschocks die Inflation in der Eurozone unterschiedlich beeinflussen. Während Ölpreisschocks kurzlebig sind, wirken Gasschocks stärker und nachhaltiger auf die Verbraucherpreise.

Direkte Effekte: Öl schnell, Gas verzögert

Bis 2021 waren Energieschocks in der Eurozone primär Ölschocks.

Dies änderte sich mit der Krise 2021-22, als Gasschocks zu einer eigenständigen und quantitativ wichtigen Quelle wurden.

Die geopolitischen Spannungen im März 2026 führten zu ungewöhnlich starken monatlichen Anstiegen bei Brent- und TTF-Preisen, die jedoch die Höchststände von 2021-22 nicht erreichten.

Ölpreisschocks wirken schnell auf HICP-Kraftstoffe: Ein Anstieg der Brent-Preise um 1 Prozent führt innerhalb von zwei Monaten zu einem Anstieg der Kraftstoffinflation um 0,3 Prozentpunkte.

Der Anstieg von Brent um 45 Prozent im März 2026 trug über 0,7 Prozentpunkte zur Gesamtinflation bei.

Gasschocks hingegen wirken gradueller und heterogener auf Haushaltsenergiepreise.

Ein 1-Prozent-Anstieg des TTF-Preises erhöht die Gas- und Strompreise um 0,1 Prozentpunkte über vier Monate.

Der 60-Prozent-Anstieg des TTF im März 2026 führte jedoch nur zu einem sehr moderaten Anstieg der Haushaltsrechnungen.

Regime-Wechsel: Inflation verstärkt Schocks

Über die direkten Effekte hinaus beeinflussen Öl- und Gasschocks die Inflation indirekt über Produktionskosten und Input-Verknüpfungen.

Die Analyse basiert auf monatlichen HICP-Daten der Eurozone von 1996 bis 2025, unterteilt in Nahrungsmittel, Dienstleistungen und Industriegüter ohne Energie (NEIGs).

Die Studie zeigt eine starke Heterogenität: Nahrungsmittelpreise passen sich schnell und stark an, während Kernkomponenten verzögert und weniger reagieren.

Dies wurde bereits im Zeitraum 2021-22 beobachtet, als Nahrungsmittel früh in ungewöhnlich hohe Inflationsgebiete vorstießen.

Ein entscheidender Faktor ist das vorherrschende Inflationsregime.

Indirekte Effekte sind in Niedriginflationsumfeldern weitgehend gedämpft, werden aber in Hochinflationsregimen, insbesondere bei Gasschocks, deutlich ausgeprägter.

Dies unterstreicht die Komplexität der Inflationsdynamik.

Gasschocks als Game Changer

Die Studie bestätigt die zentrale Rolle von Gaspreisen für eine persistente Inflation, eine wichtige Lehre aus den jüngsten Krisen.

Ihre Erkenntnisse zu den zustandsabhängigen Effekten bieten Zentralbanken eine nuancierte Perspektive, die eine angepasste geldpolitische Reaktion an das jeweilige Inflationsumfeld nahelegt.

Allerdings bleibt die Unsicherheit über die Dauer erhöhter Energiekosten eine erhebliche Herausforderung für die geldpolitische Planung und die Inflationsprognosen.