Kreditmärkte: Firmenkredit in Rezession komplementär
Eine neue Methodik der Banca d'Italia misst die Kreditreallokation zwischen Unternehmen und Banken. Die Studie zeigt: Firmenkredit ist in normalen Zeiten substituierbar, in Rezessionen jedoch komplementär.
Kreditreallokation: Neue Messmethode
Stefano Pietrosanti und Edoardo Rainone von der Banca d'Italia haben eine innovative Methode zur Schätzung von Mengen-Kreuzelastizitäten in dezentralen Kreditmärkten entwickelt.
Diese ermöglicht es, das Ausmaß der Kreditreallokation zwischen Unternehmen und Banken nach Schocks direkt zu messen.
Ihre Identifikationsstrategie nutzt die Tatsache, dass nicht alle Unternehmen von allen Banken Kredite aufnehmen; indirekte Verbindungen im Kreditnetzwerk bieten natürliche Ausschlussrestriktionen.
Durch Theorie und Simulation belegen die Autoren die Tragfähigkeit ihres Ansatzes.
Die Anwendung des Schätzers auf zwanzig Jahre Daten aus dem italienischen Kreditregister zeigt, dass Firmenkredit in normalen Zeiten substituierbar, während Rezessionen jedoch komplementär ist.
Die Kreuzelastizitäten der Banken variieren hingegen nicht mit dem Konjunkturzyklus.
Diese Ergebnisse stimmen mit den asymmetrischen Effekten von Kreditexpansionen und -kontraktionen überein, die in der empirischen Bankenliteratur dokumentiert sind.
Das Reflexionsproblem im Kreditnetzwerk
Bisherige Ansätze zur Messung der Kreditreallokation waren indirekt und verzerrt.
Das sogenannte 'Reflexionsproblem' entsteht, da jede Kreditbeziehung sowohl zum Kreditportfolio eines Unternehmens als auch einer Bank gehört und Entscheidungen im gesamten Netzwerk simultan getroffen werden.
Dies führt zu komplexen Verzerrungen in Schätzungen.
Die neue Methode löst dieses Problem, indem sie die 'Sparsity' der Kreditmarktstruktur nutzt.
Da Portfolios nur teilweise überlappen, beeinflussen Änderungen in einigen Beziehungen andere nur indirekt.
Die Autoren bauen 'Partially Overlapping Portfolios Instrumental Variables' (OPIVs) auf, um die Simultanität aufzubrechen.
Dieser Ansatz verallgemeinert das häufig verwendete Khwaja und Mian (2008) Modell und ist mit Standard-Kreditregisterdaten anwendbar.
Die Forschung wurde im Rahmen des ChaMP-Netzwerks der EZB und nationaler Zentralbanken durchgeführt.
Einblicke in die Kreditdynamik
Diese Studie liefert eine dringend benötigte direkte Messung der Kreditreallokation und überwindet methodische Hürden, die lange Zeit eine präzise Analyse erschwerten.
Die Erkenntnisse über die zyklische Abhängigkeit der Firmenkredit-Substituierbarkeit sind entscheidend für das Verständnis der geldpolitischen Transmission und ihrer realwirtschaftlichen Auswirkungen.
Die Robustheit und Kontextunabhängigkeit der Methode versprechen breite Anwendungsmöglichkeiten in der Finanzforschung.
Quelle: No. 1029 - Cross-elasticities in credit markets
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