Grünfärberei beeinflusst Zinskonditionen für Unternehmen
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Grünfärberei beeinflusst Zinskonditionen für Unternehmen

Eine Studie der Banca d'Italia (BDI) zeigt, dass Unternehmen mit 'Grünfärberei' zwischen 2019 und 2023 niedrigere Kreditzinsen erhielten. Die Forscher nutzten Textanalyse, um die Glaubwürdigkeit von Nachhaltigkeitsberichten zu bewerten.

Das trügerische Spiel der Nachhaltigkeit

Eine Studie der Banca d'Italia (BDI) enthüllt, dass Unternehmen, die sich als nachhaltiger darstellen, als sie tatsächlich sind – sogenannte 'Grünfärber' – zwischen 2019 und 2023 niedrigere Kreditzinsen im Euro-Bankensystem erhielten.

Die Forscher identifizierten diese Firmen zunächst durch eine Kombination aus Kohlenstoffemissionen und der Zuverlässigkeit ihrer Berichterstattung.

Ein neuartiger Ansatz nutzte zudem Textinformationen aus Firmen-Websites und Zeitungen, um Umweltprofile zu bewerten.

Dabei zeigte sich, dass die Stimmungswerte auf Unternehmens-Websites durchweg höher waren als jene aus externen Quellen, was auf eine gezielte Betonung des nachhaltigen Images hindeutet.

Durch die Integration dieser textuellen Metrik konnte eine alternative Definition von Grünfärberei entwickelt werden, deren Ergebnisse mit den strukturierten Daten übereinstimmen.

Ein unerwarteter kontraktiver geldpolitischer Schock reduzierte die zuvor genossenen Preisvorteile für Grünfärber.

Herausforderung für grüne Finanzierung

Grünfärberei stellt eine erhebliche Herausforderung für die grüne Finanzierung dar, da Unternehmen irreführende Informationen über ihre Umweltprofile verbreiten.

Dies erschwert die Bewertung klimabezogener Risiken für Banken und kann zu Fehlbewertungen, verzerrter Kreditvergabe sowie Reputations- und Übergangsrisiken führen.

EU-Regulierungen wie die SFDR und NFRD versuchen, dem entgegenzuwirken, doch mangelnde klare Standards und die schlechte Qualität verfügbarer Umweltdaten bleiben ein Engpass.

Die EZB stellte 2023 fest, dass nur ein begrenzter Anteil relevanter Informationen offengelegt wird, und die ESMA dokumentierte einen Anstieg von Grünfärberei-Kontroversen bei großen europäischen Firmen zwischen 2020 und 2021.

Ein Weckruf für Transparenz

Diese Studie legt eine beunruhigende Lücke in der Finanzierung nachhaltiger Transformationen offen.

Sie zeigt, dass mangelnde Transparenz und die Fähigkeit zur 'Grünfärberei' direkte finanzielle Vorteile für Unternehmen schaffen, die nicht durch tatsächliche Umweltleistungen gedeckt sind.

Dies untergräbt die Glaubwürdigkeit grüner Finanzmärkte und verzerrt Anreize für echte Nachhaltigkeitsbemühungen.