Auswahlprüfungen der Banca d'Italia: Effektivität und Geschlechtereffekte
BDI Paper Read in English

Auswahlprüfungen der Banca d'Italia: Effektivität und Geschlechtereffekte

Ein neues Working Paper der Banca d'Italia analysiert die Effektivität von Auswahlprüfungen. Santiago Pereda-Fernández entwickelte eine Methode, um die Selektion von Hochbegabten zu bewerten und Geschlechterdiskriminierung zu identifizieren.

Talent-Erkennung im Fokus der Notenbank

Ein neues Modell zur Bewertung von Auswahlprüfungen soll die Effektivität bei der Selektion von Hochbegabten messen.

Santiago Pereda-Fernández von der Banca d'Italia entwickelte eine Methode, die die Leistung von Kandidaten in 'High-Stakes'-Prüfungen analysiert.

Dabei werden beobachtbare Merkmale, die Neigung zu antworten und die Schwierigkeit der Fragen berücksichtigt.

Angewandt auf das Auswahlverfahren der Banca d'Italia, zeigt die Studie, dass das Verfahren tendenziell Kandidaten mit höherer Fähigkeit auswählt.

Gleichzeitig dient die Analyse als Fallstudie zur Diskriminierung im Einstellungsprozess, da die Auswahlquote für Frauen niedriger ist als für Männer.

Das Modell erweitert die Item Response Theory (IRT) durch die Berücksichtigung von korrekten, falschen oder fehlenden Antworten in einem Gleichungssystem, das individuelle, unbeobachtete Heterogenität – wie die Antwortneigung und die eigentliche Fähigkeit – einbezieht.

Dies ermöglicht die Bewertung der Wahrscheinlichkeit, mit der ein Kandidat bei einem bestimmten Fähigkeitsniveau ausgewählt wird.

Optimierung durch Simulationen

Das Auswahlverfahren der Banca d'Italia besteht aus drei Stufen: einem vorselektiven Multiple-Choice-Test, einer schriftlichen Prüfung mit Wahlfragen und einer mündlichen Prüfung.

Die ersten beiden sind anonym bewertet.

Simulationen zeigen, dass eine Erhöhung des Schwierigkeitsgrades oder das Streichen der Strafen für falsche Antworten die durchschnittliche Fähigkeit der eingestellten Kandidaten beider Geschlechter verbessern könnte.

Eine Geschlechterquote im Test würde jedoch zu einem geringeren Gesamtanteil weiblicher Einstellungen und einem Rückgang der durchschnittlichen Fähigkeit führen.

Geschlechtervoreingenommene Fragen im Vortest haben kaum Einfluss auf die finale Geschlechterzusammensetzung.

Effizienz vs. Fairness

Diese Studie bietet einen seltenen Einblick in die internen Auswahlprozesse einer Zentralbank und bestätigt deren Effektivität bei der Talentselektion.

Sie beleuchtet aber auch die Komplexität von Geschlechterungleichheiten, insbesondere die potenziellen negativen Effekte von Quoten auf die Gesamtqualität.

Dies verdeutlicht den schwierigen Spagat zwischen Diversitätszielen und der Sicherstellung höchster Kompetenz.