Arbeitsproduktivität und Arbeitsaufwand im Euroraum: Der Effort-Faktor dämpft Inflation
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Arbeitsproduktivität und Arbeitsaufwand im Euroraum: Der Effort-Faktor dämpft Inflation

Der Arbeitsaufwand ('Effort') spielt eine signifikante Rolle im Konjunkturzyklus des Euroraums und dämpft die Inflationsvolatilität. Dies ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie von Ökonomen der Banca d'Italia und der Deutschen Bundesbank.

Das verborgene Potenzial des Arbeitsaufwands

Die Arbeitsproduktivität im Euroraum ist stark prozyklisch, gemessen als Output pro Arbeitsstunde.

Eine gemeinsame Studie von Ökonomen der Banca d'Italia und der Deutschen Bundesbank untersucht diese Prozyklizität in einem geschätzten neukeynesianischen Konjunkturzyklusmodell.

Sie identifizieren drei Anpassungsmargen für den Arbeitseinsatz: Beschäftigung, Arbeitsstunden und Arbeitsaufwand ('Effort').

Die Forscher finden signifikante Belege für die Nutzung des 'Effort'-Faktors bei der Arbeitsanpassung.

Ein Modell, das diesen Faktor berücksichtigt, übertrifft Modelle mit variabler Kapitalauslastung oder dominanten Technologieschocks.

Zudem dämpft der 'Effort'-Faktor die Inflationsvolatilität, was für Zentralbanken wünschenswert ist.

Warum Standardmodelle scheitern

Die beobachtete Prozyklizität der Arbeitsproduktivität deutet darauf hin, dass die Gesamtarbeitsstunden weniger stark auf Schocks reagieren als der Output.

Standard-Konjunkturzyklusmodelle können dieses Muster nicht replizieren, wenn Nicht-Technologie-Schocks wichtige Ursachen für Schwankungen sind.

Um einen Anstieg der Arbeitsproduktivität zu erzielen, sind steigende Erträge pro Arbeitsstunde erforderlich.

Dies kann durch die Einführung einer variablen Faktorauslastung im Modell erreicht werden, die eine zusätzliche Anpassungsmarge bietet, um zusätzlichen Output ohne Anpassung von Beschäftigung oder Arbeitsstunden zu produzieren.

Europäische Volkswirtschaften zeichnen sich zudem durch geringe Beschäftigungsflüsse aus, was institutionelle Friktionen am Arbeitsmarkt widerspiegelt.

Firmen verlassen sich stärker auf Änderungen der Arbeitsstunden pro Arbeitnehmer.

Ein unterschätzter Stabilisator

Diese Studie liefert einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Arbeitsmarktdynamik im Euroraum, indem sie den 'Effort'-Faktor quantifiziert.

Die Erkenntnis, dass dieser Faktor die Inflationsvolatilität dämpft, ist für die Geldpolitik von direkter Relevanz und könnte zukünftige Modellierungen beeinflussen.

Dennoch bleibt die praktische Messbarkeit des 'Effort'-Faktors eine Herausforderung, die weitere Forschung erfordert.