Geldpolitik wirkt ungleich: Wohnmärkte beeinflussen Euro-Staaten heterogen
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Geldpolitik wirkt ungleich: Wohnmärkte beeinflussen Euro-Staaten heterogen

Eine neue Studie der Banca d'Italia zeigt: Die Geldpolitik der EZB wirkt in den Euro-Staaten ungleich. Ursache sind heterogene Wohn- und Hypothekenmärkte, die Konsum und Hypothekenzinsen unterschiedlich stark beeinflussen.

Wohnmärkte als Verstärker der Geldpolitik

Eine neue Studie der Banca d'Italia untersucht die ungleichen Effekte der EZB-Geldpolitik in den Euro-Staaten.

Im Fokus stehen drei Merkmale der Wohn- und Hypothekenmärkte: die Wohneigentumsquote (HoR), der Anteil variabler Hypotheken (ARM) und das Beleihungsauslaufverhältnis (LTV).

Empirische Daten zeigen, dass höhere Werte dieser Merkmale mit stärkeren Konsum- und Hypothekenzinsreaktionen auf geldpolitische Schocks einhergehen.

Ein Zwei-Länder-Modell mit heterogenen Haushalten bestätigt diese Beobachtungen und identifiziert drei Kanäle: Cashflow, Wohneigentumsquote und Hypothekenkredit.

Letzterer erweist sich als dominierend.

Die Variation ist erheblich: Während Frankreich eine ARM-Quote unter 10 Prozent aufweist, liegt diese in Portugal, Finnland und Litauen über 90 Prozent.

Die HoR reicht von 44 Prozent in Deutschland bis über 80 Prozent in Litauen und der Slowakei, und die LTV-Verhältnisse variieren von 60 Prozent in Österreich bis 100 Prozent in den Niederlanden.

Portugals Lehren und Grenzen der Makroprudenziellen Politik

Das Währungsunion-Modell bildet die empirische Heterogenität der Konsum- und Hypothekenzinsreaktionen über die Länder hinweg ab.

Am Beispiel Portugals zeigt die Studie, dass die Kombination aus hohem ARM-Anteil, hoher Wohneigentumsquote (HoR) und hohem Beleihungsauslaufverhältnis (LTV) zu einer erheblichen Verstärkung des Konsums führt.

Die Studie isoliert drei Kanäle: Cashflow, Wohneigentumsquote und Hypothekenkredit, wobei letzterer der wichtigste Treiber der Länderunterschiede ist.

Makroprudentielle Instrumente wie die Anpassung des LTV-Verhältnisses können die geldpolitische Heterogenität nur begrenzt mindern.

Eine vollständige Angleichung Portugals an den Euro-Durchschnitt würde eine drastische LTV-Reduzierung erfordern, was die Grenzen dieses Instruments unterstreicht.

Einheitliche Geldpolitik, geteilte Wirkung

Die Studie beleuchtet eine zentrale Herausforderung für die EZB: Eine einheitliche Geldpolitik trifft auf sehr unterschiedliche nationale Realitäten.

Die Erkenntnis, dass makroprudentielle Instrumente wie das LTV-Verhältnis nur begrenzt Abhilfe schaffen können, ist ernüchternd.

Dies erfordert eine tiefere Auseinandersetzung mit strukturellen Unterschieden, um die Effektivität der Geldpolitik im Euroraum zu gewährleisten.