Euroraum-Preise: Inflationswelle erhöhte Anpassungsfrequenz deutlich
Eine Studie des ChaMP-Netzwerks der EZB und nationaler Zentralbanken zeigt: Die Häufigkeit der Preisanpassungen im Euroraum stieg während des Inflationsschubs 2021-2024 deutlich an. Dies betraf vor allem Preiserhöhungen.
Inflationswelle beschleunigte Preisanpassungen
Die monatliche Häufigkeit von Preisänderungen im Euroraum erreichte 2022 durchschnittlich 12 Prozent, verglichen mit 8 Prozent im Zeitraum 2010-2019.
Im Januar 2023 erreichte sie einen Höchststand von 15,7 Prozent, bevor sie 2023 und 2024 wieder sank.
Dieser Anstieg war in allen Produktkategorien zu beobachten, besonders stark jedoch bei Lebensmitteln, gefolgt von industriellen Gütern ohne Energie (NEIG).
Bei Dienstleistungen blieben die Anpassungsfrequenzen 2024 erhöht.
Produkte mit einem höheren Anteil importierter Energiekosten zeigten eine stärkere Reaktion.
Die Studie belegt zudem, dass die Wahrscheinlichkeit von Preisanpassungen mit der Lücke zwischen tatsächlichen und optimalen Preisen zunimmt, was auf eine zustandsabhängige Preisgestaltung hindeutet.
Zustandsabhängigkeit prägt Inflationsdynamik
Die durchschnittliche Größe der Preisänderungen (ohne Abverkäufe) stieg von 1,5 Prozent vor 2020 auf 5,5 Prozent im Jahr 2022.
Dies war hauptsächlich auf einen Anstieg des Anteils von Preiserhöhungen zurückzuführen, der 2022 82 Prozent erreichte.
Die Studie zeigt, dass die Zunahme der Preisanpassungsfrequenz mit den Vorhersagen zustandsabhängiger Modelle übereinstimmt.
Diese Modelle besagen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Preisänderung mit der Lücke zwischen dem tatsächlichen und dem optimalen Preis zunimmt.
Ein Makromodell deutet darauf hin, dass die Spitzeninflation fast 1 Prozentpunkt niedriger ausgefallen wäre, wenn die Anpassungsfrequenz nicht auf den Inflationsschub reagiert hätte.
Preisstarrheit neu bewertet
Diese Studie liefert entscheidende Einblicke in die Dynamik der Preisbildung unter Hochinflation.
Sie bestätigt die Relevanz zustandsabhängiger Preismodelle und deutet auf eine steilere Phillips-Kurve hin, was die geldpolitische Transmission beeinflusst.
Für die EZB bedeutet dies, dass die Inflationsbekämpfung möglicherweise schneller wirken kann, wenn Preise flexibler auf Schocks reagieren.