Preisanpassungen stärken Phillips-Kurve und EZB-Geldpolitik
Eine neue Studie der Banca d'Italia zeigt, dass die erhöhte Frequenz von Preisanpassungen in der Eurozone die Phillips-Kurve steiler gemacht und die Wirksamkeit der Geldpolitik verbessert hat. Dies ermöglicht Zentralbanken, Kostenschocks mit geringerem Output-Verlust einzudämmen.
Steilere Phillips-Kurve durch häufigere Preisanpassungen
Die hohe Inflation in der Eurozone 2021-22 führte dazu, dass Unternehmen ihre Preise deutlich häufiger anpassten.
Diese Verschiebung im Preissetzungsverhalten bewirkte eine vorübergehende Versteilerung der Phillips-Kurve, die zuvor lange flach geblieben war.
Eine höhere Frequenz von Preisanpassungen, so die Studie, verstärkt die geldpolitische Transmission und ermöglicht Zentralbanken, Kostenschocks mit geringerem Output-Verlust einzudämmen.
Empirische Belege für die Eurozone bestätigen den Zusammenhang zwischen Preisanpassungsfrequenz, Phillips-Kurven-Steigung und erhöhter Wirksamkeit der Geldpolitik.
Die Forscher der Banca d'Italia identifizieren drei Hauptbefunde: Die Steigung der Phillips-Kurve variiert stark über makroökonomische Episoden hinweg.
Kostenschocks erhöhen sowohl Inflation als auch Preisanpassungsfrequenz, was die geldpolitische Transmission stärkt und das Opferverhältnis senkt.
Zudem zeigen Panel-Projektionen, dass geldpolitische Schocks bei hoher Energiepreisinflation größere disinflationäre Effekte und geringere Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit haben.
Vom Inflationsschock zur neuen Normalität
Die Eurozone erlebte in den letzten 25 Jahren unterschiedliche Inflationsregime.
Nach einer stabilen Phase vor der globalen Finanzkrise folgte eine lange Periode niedriger Inflation, trotz akkommodierender EZB-Geldpolitik.
Dies änderte sich abrupt nach der COVID-19-Pandemie und der Energiekrise 2021-22, die den stärksten Inflationsanstieg in der Geschichte der Währungsunion auslösten.
Die Inflation erreichte im Herbst 2022 über 10 Prozent, sank danach aber rasch, bei nur moderater Verschlechterung der Wirtschafts- und Arbeitsmarktbedingungen.
Parallel dazu stieg die Frequenz der Preisanpassungen in der Eurozone signifikant an, als die Inflation 2022-23 zweistellige Werte erreichte.
Die HICP-Inflation erreichte im Oktober 2022 einen Höchststand von 10,6 Prozent, die Kerninflation lag im März 2023 bei 5,7 Prozent.
Ein Wendepunkt für die Geldpolitik
Die Studie liefert eine entscheidende Erkenntnis für die Geldpolitik: Wenn Unternehmen Preise häufiger anpassen, wird die Inflationsbekämpfung effizienter.
Dies bedeutet, dass Zentralbanken Kostenschocks mit geringeren negativen Auswirkungen auf Wachstum und Beschäftigung eindämmen können.
Für die EZB ist dies eine gute Nachricht, da sie mehr Spielraum für eine zielgerichtete Steuerung erhält.