Asset-Sicherheit: Makroökonomische Folgen variabler Risikoeinschätzung
Eine neue Studie der Banca d'Italia zeigt, dass die Sicherheit von Staatsanleihen zeitlich variiert. Diese 'Sicherheitsschalter' haben weitreichende makroökonomische Folgen, insbesondere für die Fiskalpolitik von Regierungen.
Lagewechsel bei der Asset-Sicherheit
Andrea Foschi von der Banca d'Italia entwickelt eine modellbasierte Definition zeitlich variierender Sicherheit von Staatsanleihen.
Er wendet diese empirisch an, indem er einen nachrichtenbasierten Index, den Flight-to-Safety-Index (FLY), konstruiert, der die globale Nachfrage nach sicheren Anlagen misst.
Der FLY erfasst Flight-to-Safety-Episoden, den globalen Sparüberhang und Rückgänge des natürlichen Zinssatzes.
Geschätzte FLY-Ladungen ermöglichen die Klassifizierung von Anleihen als sicher, neutral oder riskant.
Nach der Großen Rezession hat sich der globale Pool sicherer Anlagen verkleinert, die Sicherheit von US-Anlagen jedoch zugenommen.
Die Studie detektiert Regimewechsel in den FLY-Ladungen: Positive Wechsel (sicher werdend) korrelieren mit Expansionen, höheren Staatsausgaben, geringerer Verschuldung und Bonitätsverbesserungen; negative Wechsel (riskant werdend) sind mit Kontraktionen, reduzierten Ausgaben, höherer Verschuldung und Herabstufungen verbunden.
Diese Schwankungen haben signifikante reale Implikationen, insbesondere für Regierungen und ihre Fiskalpolitik.
Die Arbeit zeigt, dass die Sicherheit eines Vermögenswerts kurz- bis mittelfristige Schwankungen aufweisen kann.
Der Flight-to-Safety-Index (FLY) im Detail
Die Studie entwickelt einen theoretischen Rahmen, der die Quellen der Sicherheit eines Vermögenswerts erklärt.
Ein sicherer Vermögenswert zeichnet sich durch geringes Risiko, hohe Liquidität und seine Rolle als Portfolioausgleich sowie Sicherheit aus.
Die Sicherheit einer Staatsanleihe hängt von Länderfundamentaldaten, nicht-pekuniären Vorteilen (Liquidität, Sicherheitenwert) und der Volatilität spezifischer Risiken ab.
Da diese Merkmale variieren, ist auch die Sicherheit dynamisch.
Empirisch wird der Flight-to-Safety-Index (FLY) durch die Analyse von Finanzzeitungsartikeln konstruiert, die Begriffe zu sicheren Anlagen erwähnen.
Der FLY erfasst wichtige Ereignisse wie den russischen Staatsbankrott, die Subprime-Krise, die Herabstufung der US-Schulden, die europäische Schuldenkrise und den Brexit.
Er zeigt einen positiven Trend seit den 2000er Jahren, konsistent mit dem globalen Sparüberhang, und prognostiziert Rückgänge des natürlichen Zinssatzes.
Dynamische Sicherheit: Ein Paradigmenwechsel
Die Studie liefert ein entscheidendes empirisches Werkzeug zur Verfolgung der Asset-Sicherheit und offenbart deren dynamische Natur sowie tiefgreifende fiskalische Implikationen.
Sie stellt die statische Wahrnehmung sicherer Anlagen fundamental in Frage und zeigt, wie schnell Staatsanleihen zwischen sicherem und riskantem Status wechseln können.
Für Zentralbanken und Regierungen bedeutet dies eine ständige Neubewertung fiskalischer Spielräume und der geldpolitischen Transmissionsmechanismen.