Studie: Rezession mindert Bildungsziele von Jugendlichen
Ein neues Working Paper der Banca d'Italia zeigt, wie Wirtschaftskrisen die Bildungsaspirationen von Jugendlichen beeinflussen. Die Exposition gegenüber Arbeitslosigkeit im Umfeld reduziert den Wunsch nach Hochschulbildung und wirkt sich negativ auf akademische Leistungen aus.
Peer-Effekte prägen Bildungsweg
Die Studie untersucht, wie wirtschaftliche Abschwünge die Humankapitalakkumulation beeinflussen, indem sie die Bildungsaspirationen von Jugendlichen sowie deren spätere akademische Anstrengungen und Entscheidungen prägen.
Die Autoren Eleonora Porreca, Lucia Rizzica und Marco Tonello nutzten Volkszählungsdaten von Schülern, die mit Verwaltungsunterlagen abgeglichen wurden.
Sie konstruierten ein individuelles Maß für die Exposition gegenüber lokalen Arbeitsmarktbedingungen, basierend auf dem Anteil von Schulkameraden, deren Eltern arbeitslos sind.
Die Identifikation stützt sich auf quasi-zufällige Variationen der Exposition über benachbarte Kohorten innerhalb derselben Schule.
Sie fanden heraus, dass eine stärkere Exposition gegenüber widrigen Konjunkturbedingungen die Aspirationen der Schüler, eine höhere Bildung zu verfolgen, signifikant reduziert und sich negativ auf spätere Ergebnisse auswirkt, einschließlich des Abiturdurchschnitts, der Einschreibung an Hochschulen und der Abbrecherquoten.
Eine Erhöhung der Exposition gegenüber arbeitslosen Eltern um 1 Prozentpunkt führt zu einer Verringerung der Wahrscheinlichkeit, eine Hochschulausbildung anzustreben, um etwa 0,05 Prozentpunkte.
Dies impliziert, dass bei hoher Exposition (90. Perzentil) die Wahrscheinlichkeit, eine Hochschulausbildung anzustreben, um etwa 0,4 Prozentpunkte niedriger ist als bei geringer Exposition (10. Perzentil).
In absoluten Zahlen bedeutet dies jährlich etwa 2.000 Schüler weniger, die ein Universitätsstudium anstreben.
Langfristige Folgen für Humankapital
Die negativen Effekte auf die Aspirationsbildung übertragen sich auf spätere Bildungsentscheidungen und Anstrengungen, gemessen drei bis vier Jahre später.
Die Exposition gegenüber arbeitslosen Eltern zum Zeitpunkt der Aspirationsäußerung (in der 10. Klasse) beeinflusst negativ die Anstrengungen zum Abschluss der Oberstufe, die Wahrscheinlichkeit der Einschreibung an der Universität und die Wahrscheinlichkeit des Studienabbruchs am Ende des ersten Jahres.
Im Einklang mit der Aspirationstheorie (Genicot und Ray, 2017) zeigt sich, dass die Beziehung zwischen Aspirationen und nachfolgenden Investitionen nicht-monoton ist.
Diejenigen, die ihre Bildungsaspirationen und Investitionen am stärksten revidieren, stammen aus relativ besser gestellten Familien.
Diese Schüler sind eher an der Schwelle zu Investitionen in die Hochschulbildung, während für Schüler aus benachteiligten Familien die Ziele der Hochschulbildung möglicherweise zu hoch sind.
Die empirische Analyse verknüpft erstmals umfassende administrative Daten zu Schüleraspirationen mit den nachfolgenden Bildungsentscheidungen.
Die Arbeit trägt zu drei Hauptbereichen bei: den Auswirkungen zyklischer makroökonomischer Bedingungen auf die Humankapitalakkumulation, dem Einfluss individueller Aspirationen auf ökonomische Entscheidungen und dem Einfluss der Merkmale der Eltern von Schulkameraden auf Bildungsentscheidungen.
Versteckte Kosten des Abschwungs
Diese Studie liefert überzeugende kausale Evidenz für einen bisher unterschätzten Mechanismus, durch den Wirtschaftskrisen langfristige Spuren hinterlassen.
Sie zeigt, dass die psychologischen Effekte von Rezessionen – vermittelt durch das soziale Umfeld – weit über die unmittelbaren Arbeitsmarktauswirkungen hinausgehen.
Für die Politik bedeutet dies, dass Maßnahmen zur Abfederung von Krisen auch auf die Stärkung von Bildungsaspirationen abzielen sollten, um zukünftige Humankapitalverluste zu vermeiden.