BDI-Studie: Gewinnverschiebung durch Intragroup-Kredite
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BDI-Studie: Ge­winn­ver­schie­bung durch Intragroup-Kredite

Multinationale Konzerne verschieben Gewinne über konzerninterne Kredite in Niedrigsteuerländer. Eine BDI-Studie zeigt, dass Firmen vermehrt konzerninterne Schulden aufnehmen und höhere Zinsen zahlen, um Steuern zu minimieren. In Italien wurden 2013-2022 jährlich 67 Mio. Euro Steuern vermieden.

Schuldstruktur und Zinskanäle der Ge­winn­ver­schie­bung

Die Studie der Banca d'Italia (BDI) liefert neue Erkenntnisse zur Gewinnverschiebung über konzerninterne Kredite.

Sie zeigt, dass Unternehmen, die zu multinationalen Gruppen mit Tochtergesellschaften in Niedrigsteuerländern gehören, tendenziell einen größeren Anteil an konzerninternen Auslandsschulden aufweisen als an konzernexternen Schulden.

Zudem sind die Zinssätze für konzerninterne Schulden oft höher als für externe Gegenparteien.

Die Autoren bestätigen die Bedeutung steuerlicher Motivationen, insbesondere bei Unternehmen mit höherem EBITDA und ungenutzter Zinsabzugsfähigkeit, die sich überproportional auf interne Kreditaufnahmen von Tochtergesellschaften in Steueroasen verlassen.

Die Analyse berücksichtigt dabei sowohl die Aufnahme von Schulden bei verbundenen Parteien als auch die darauf erhobenen Zinssätze, was eine umfassendere Betrachtung als frühere Studien ermöglicht.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die bloße Existenz von Tochtergesellschaften in Steueroasen die Neigung zur konzerninternen Verschuldung verstärkt.

Italiens Steuervermeidung: Modest, aber rückläufig

Die BDI-Studie quantifiziert die über konzerninterne Kredite aus Italien verschobenen Gewinne im Zeitraum 2013 bis 2022.

Die Schätzungen beziffern die jährliche Gewinnverschiebung auf durchschnittlich 280 Millionen Euro, was einer Steuervermeidung von 67 Millionen Euro entspricht.

Dieser Betrag ist im Vergleich zu anderen mikro-basierten Schätzungen, die zwischen 0,6 und 5 Milliarden Euro liegen, relativ bescheiden.

Die Autoren stellen fest, dass dieser Kanal im Vergleich zu anderen Gewinnverschiebestrategien von zweitrangiger Bedeutung ist.

Darüber hinaus zeigt die Analyse einen Rückgang der Gewinnverschiebung über konzerninterne Kredite seit 2019.

Dies könnte mit der Umsetzung der ersten Anti-Steuervermeidungsrichtlinie (ATAD 1) in Italien im Jahr 2018 zusammenhängen, die darauf abzielte, Steuervermeidung durch Zinszahlungsverschiebungen einzudämmen.

Andere Faktoren wie die Pandemie, die Senkung des italienischen Körperschaftsteuersatzes im Jahr 2017 und steigende Zinsen könnten ebenfalls eine Rolle gespielt haben.

Steuervermeidung: Ein kleines, aber hartnäckiges Problem

Die Studie bestätigt, dass Gewinnverschiebung über konzerninterne Kredite ein realer Mechanismus ist, dessen quantifizierter Effekt in Italien jedoch überschaubar bleibt.

Trotzdem unterstreicht sie die Notwendigkeit internationaler Harmonisierung, da die Schlupflöcher weiterhin bestehen und die Durchsetzung schwierig ist.

Die Erkenntnisse liefern wichtige Argumente für eine stärkere Angleichung der Besteuerung von Eigen- und Fremdkapital, um die Steuerbasis langfristig zu schützen.