Einlagenfinanzierung und Marktmacht bremsen Zinsweitergabe
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Ein­la­gen­fi­nan­zie­rung und Marktmacht bremsen Zinsweitergabe

Eine neue Studie der Banca d'Italia zeigt: Einlagenfinanzierung und Marktmacht von Banken dämpften die Zinsweitergabe der EZB-Geldpolitik 2022-23. Dies führte zu einer 'Entkopplung' der Transmission.

Warum die Zinsen nicht ankamen

Die Studie der Banca d'Italia beleuchtet die gedämpfte Zinsweitergabe während der aggressiven geldpolitischen Straffung der EZB 2022-23. Im Vergleich zu historischen Mustern war der Pass-Through von Leitzinsen auf Übernachteinlagenzinsen extrem gering, was eine Entkopplung in der geldpolitischen Transmission signalisiert.

Höhere Einlagenfinanzierung der Banken führte kurzfristig zu einer geringeren Weitergabe an die Übernachteinlagenzinsen.

Die Marktmacht im Einlagengeschäft hatte einen noch nachhaltigeren Dämpfungseffekt, der sich auch auf die Kreditzinsen für Haushalte und Unternehmen erstreckte.

Die Autoren zeigen, dass die beobachtete Entwicklung nicht mit den historischen Regularitäten übereinstimmt, wobei die implizite Weitergabe für Unternehmen bei 0,4 und für Haushalte bei 0,25 lag.

Einlagen als Bremse der Zinsweitergabe

Die Ökonomen untersuchen Einlagenfinanzierung und Marktmacht der Banken.

Vor 2022 führten niedrige Opportunitätskosten und EZB-Anleihekäufe zu massiven Einlagenzuflüssen.

Banken mit hoher Einlagenfinanzierung hatten weniger Anreize, höhere Zinsen anzubieten.

Eine größere Einlagenbasis erhöht zudem die Kosten einer Repreisung des gesamten Einlagenbestands, was die Bereitschaft zur Zinsweitergabe mindert.

Die Marktmacht der Banken im Einlagengeschäft nahm ebenfalls zu.

Dies ermöglichte es ihnen, die Weitergabe von Leitzinserhöhungen zu begrenzen und höhere Margen zu erzielen.

Dieser 'Einlagenkanal' der Geldpolitik führt zu einer schwächeren Transmission auf Einlagenzinsen, aber einer stärkeren auf die Kreditvergabe.

Die blinden Flecken der Geldpolitik

Diese Studie ist ein Weckruf für die EZB und andere Zentralbanken.

Sie zeigt, dass die Annahme einer reibungslosen geldpolitischen Transmission durch strukturelle Faktoren im Bankensektor untergraben werden kann.

Für die Praxis bedeutet dies, dass die Kalibrierung von Zinsentscheidungen diese Marktimperfektionen stärker berücksichtigen muss, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.