Variable Zinsen: EZB-Straffung dämpft Firmeninvestitionen stark
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Variable Zinsen: EZB-Straffung dämpft Fir­me­n­in­ves­ti­ti­o­nen stark

Eine neue Studie der Banca d'Italia (BDI) quantifiziert die Auswirkungen des EZB-Straffungszyklus 2022-23 auf Unternehmen. Sie zeigt, dass ein Anstieg des Euribor um 450 Basispunkte die Investitionen von Firmen mit hohem Anteil variabler Kredite um 14,8 Prozentpunkte stärker reduzierte als bei festverzinslichen Krediten.

Die Wucht der variablen Zinsen

Die Studie beziffert die Transmission des geldpolitischen Straffungszyklus 2022-23 auf Unternehmen im Euroraum über den Kanal variabler Zinsen.

Demnach reduzierte ein Anstieg des 3-Monats-Euribor um 450 Basispunkte – wie im Beobachtungszeitraum – die Investitionsrate von Unternehmen mit einem hohen Anteil variabler Schulden (im oder über dem 75. Perzentil) um 14,8 Prozentpunkte stärker als bei Firmen mit ausschließlich festverzinslichen Krediten.

Dieser Effekt ist signifikant, da die durchschnittliche Investitionsrate in der Stichprobe bei 14 Prozent lag.

Die Forscher nutzten einen innovativen Instrumentalvariablen-Ansatz, um die kausalen Effekte zu isolieren.

Dabei wurde die zufällige Exposition der Kreditgeber gegenüber dem Zufluss von Einlagen aus dem EZB-Anleihekaufprogramm (APP) als Instrument verwendet, welches die Neigung der Banken zur Vergabe variabler Kredite beeinflusste.

Ein Anstieg des Anteils variabel verzinslicher Schulden um einen Prozentpunkt war zudem mit einer Reduzierung des Investitionswachstums um 0,42 Prozentpunkte verbunden.

Warum nicht alle Schulden gleich sind

Der historisch steile Straffungszyklus 2022-23 im Euroraum hat die Bedeutung des Kanals variabler Zinsen deutlich gemacht.

Die Kosten für ausstehende Kredite stiegen in Ländern mit einem höheren Anteil variabler Darlehen wesentlich schneller, was die Interpretation aggregierter Daten erschwerte.

Die Analyse dieses Kanals ist besonders relevant in einem heterogenen Währungsraum wie der Eurozone, wo große Unterschiede in der Zusammensetzung der Bankenschulden bestehen.

Die Studie erweitert die Analyse über Investitionen hinaus auf Beschäftigung, Umsatz und operative Gewinne von Unternehmen in den fünf größten Euro-Ländern (ohne Frankreich).

Sie wurde im Rahmen des ChaMP-Netzwerks durchgeführt, das die geldpolitischen Transmissionskanäle im Euroraum neu bewertet.

Kleine Firmen tragen die Hauptlast

Die Ergebnisse unterstreichen, dass der Kanal variabler Zinsen im Euroraum aktiv und von erheblicher Bedeutung ist.

Er zeigt, dass die geldpolitische Straffung nicht gleichmäßig wirkt, sondern kleinere Unternehmen die unerwartet gestiegenen Schuldendienstkosten deutlich stärker belasten.

Diese Erkenntnisse sind entscheidend für die Kalibrierung künftiger geldpolitischer Maßnahmen und die Einschätzung ihrer realwirtschaftlichen Auswirkungen.