Derivate senken Zinskosten italienischer Firmen um 20 Prozent
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Derivate senken Zinskosten italienischer Firmen um 20 Prozent

Eine Studie der Banca d'Italia zeigt: Derivate reduzierten die Zinskosten italienischer Unternehmen in der Straffungsphase 2022-23 um durchschnittlich 20 Prozent. Sie erwiesen sich als wichtiges Instrument zur Absicherung gegen steigende Zinsen.

Derivate als Zinskosten-Puffer

Die restriktive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) in den Jahren 2022-23 führte zu einem deutlichen Anstieg der Zinsen und damit der Finanzierungskosten für italienische Unternehmen, insbesondere für jene mit variabler Verschuldung.

Eine neue Studie der Banca d'Italia (BDI) untersucht, wie Derivate diesen Anstieg abfederten.

Die Analyse, basierend auf granularen EMIR-Daten (2021-24), ergänzt durch AnaCredit-Daten zu Bankkrediten, Anagrafe-Titoli-Informationen zu Unternehmensanleihen und Cerved-Bilanzen, zeigt, dass Derivate von Unternehmen, insbesondere größeren, umfassend zur Absicherung gegen Zinsanstiege eingesetzt wurden.

Diese Instrumente stärkten die Finanzposition der Firmen.

Die Studie schätzt, dass Derivate die jährlichen Schuldenkosten der nutzenden Unternehmen während der Straffungsphase um durchschnittlich 20 Prozent reduzierten.

Granulare Daten, neue Einblicke

Empirische Analysen von Derivatpositionen nicht-finanzieller Unternehmen (NFC) waren historisch durch mangelnde Daten begrenzt.

Frühere Studien konzentrierten sich oft auf große börsennotierte Firmen oder kleine Stichproben.

Die Einführung der EU-Verordnung EMIR (European Market Infrastructure Regulation) im Jahr 2014 änderte dies.

Sie ermöglichte detaillierte Meldungen von Derivatkontrakten.

Die Banca d'Italia hat Zugang zu diesen granularen EMIR-Daten für Gegenparteien im Euroraum.

Diese Daten umfassen Kontrahenten-Identifikatoren, Nominalwerte, Fair Values und zugrunde liegende Vermögenswerte.

Diese Detailtiefe erlaubt es, die Absicherungspositionen von Unternehmen präzise zu analysieren und ihre Relevanz im Verhältnis zu Bank- und Anleiheschulden zu bewerten.

Ein wichtiger Schutzschild

Diese BDI-Studie liefert erstmals umfassende empirische Belege für die Wirksamkeit von Derivaten bei der Absicherung italienischer Unternehmen gegen Zinsrisiken.

Sie unterstreicht die entscheidende Rolle dieser Instrumente in Phasen geldpolitischer Straffung und zeigt ihre Bedeutung für die Finanzstabilität.

Die Ergebnisse sind ein wichtiger Baustein zum Verständnis der Transmissionsmechanismen der Geldpolitik in Südeuropa.