Protektionismus der 1930er verschärfte Große Depression
Die jüngsten protektionistischen Tendenzen erinnern an die Große Depression der 1930er Jahre. Eine neue Studie der Banca d'Italia zeigt, wie Handelsbarrieren die Krise damals vertieften und verlängerten.
Das historische Dilemma der Handelsbarrieren
Die Studie der Banca d'Italia beleuchtet, wie die protektionistischen Maßnahmen der 1930er Jahre die Große Depression verschärften.
Zwischen 1929 und 1932 schrumpfte die globale Industrieproduktion um etwa 35 Prozent, während der Wert des internationalen Handels um rund 60 Prozent einbrach.
Obwohl Protektionismus nicht die Hauptursache der globalen Rezession war, trug er maßgeblich zu ihrer Tiefe und Dauer bei.
Oft waren die Restriktionen motiviert, die Goldparität und feste Wechselkurse im Rahmen des Goldstandards zu verteidigen.
Die Handelsbarrieren hatten zudem schwerwiegende geopolitische Folgen, indem sie die internationalen Beziehungen verschlechterten und autarkische Wirtschaftsblöcke, insbesondere in autoritären Regimen, förderten.
Ein synthetischer Indikator von Jacks et al. (2011) zeigt einen Anstieg der Handelskosten um etwa 25 Prozentpunkte – den größten in der modernen Geschichte.
Die Ursprünge der protektionistischen Welle
Die Forschung diskutiert, inwieweit der Handelskollaps der 1930er Jahre auf den Rückgang des BIP oder auf protektionistische Maßnahmen zurückzuführen ist.
Studien wie die von de Bromhead et al. (2019) für Großbritannien legen nahe, dass der Einkommensrückgang die Hauptursache war, die Handelsbarrieren jedoch diskriminierende Effekte hatten, etwa durch die Umleitung von Handelsströmen innerhalb des Britischen Empires.
Der Smoot-Hawley Tariff Act (SHTA) von 1930 in den USA, eine zentrale protektionistische Maßnahme, entstand primär aus dem Druck amerikanischer Produzenten, insbesondere in der Landwirtschaft, und nicht ausschließlich zur Verteidigung des Wechselkurses.
Die darauf folgenden Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Exporte waren erheblich.
Lehren für die Gegenwart – mit Vorsicht
Die Parallelen zur heutigen protektionistischen Tendenz sind unübersehbar, doch die Studie mahnt zur Vorsicht bei direkten Vergleichen.
Während die damaligen Handelsbarrieren die Krise verschärften, waren sie nicht deren Ursprung.
Die Erkenntnisse unterstreichen die Gefahr autarkischer Tendenzen und die Notwendigkeit internationaler Kooperation, auch wenn die heutigen Rahmenbedingungen andere sind.