Panetta: Geldpolitik muss sich an globale Umbrüche anpassen
Fabio Panetta, Gouverneur der Banca d'Italia, fordert eine grundlegende Anpassung der Geldpolitik an die 'Große Neukonfiguration' der Weltwirtschaft. Er betonte bei einer Konferenz am 7. Juli 2026, dass geopolitische Spannungen und technologische Umwälzungen strukturelle Beziehungen verändern.
Die 'Große Neukonfiguration' als Dauerzustand
Fabio Panetta beschreibt die Weltwirtschaft als dauerhaft geprägt von 'einer Kombination von Schocks und strukturellen Veränderungen mit wenigen historischen Präzedenzfällen'.
Geopolitische Spannungen, Handelsfragmentierung und technologische Umwälzungen sind keine vorübergehenden Störungen mehr, sondern Kräfte, die das Umfeld für Haushalte, Unternehmen und Politikgestaltung kontinuierlich neu gestalten.
Sie erzeugen anhaltende Unsicherheit und beeinflussen sowohl die Angebotsseite (Energiepreise, Produktionskosten) als auch die Nachfrage (Einkommen, Vertrauen).
Diese Dynamiken können strukturelle Beziehungen in der Wirtschaft verändern, einschließlich der Transmission der Geldpolitik.
Panetta fordert daher mehr als eine Neukalibrierung des geldpolitischen Kurses; er verlangt eine periodische Überprüfung des analytischen Rahmens zur Bewertung der Inflationsaussichten und zur Anpassung der Reaktionsfunktion.
Die EZB-Strategieüberprüfung 2025 war ein wichtiger Schritt, doch die Verfeinerung muss fortgesetzt werden, um das Mandat der Preisstabilität zu wahren.
Eurozone im Spannungsfeld von Wachstum und Schock
Die Eurozone zeigte sich 2025 widerstandsfähiger als erwartet, mit einem realen BIP-Wachstum von 1,4 Prozent und einer Rückkehr der Inflation zum Ziel.
Dennoch mahnt Panetta zur Vorsicht: Haushalte sparten mehr, was auf anhaltende Unsicherheit hindeutet, und die Industrieproduktion stagnierte, belastet durch Wettbewerb aus China.
Der Ausbruch des Krieges im Persischen Golf verschlechterte die Aussichten erheblich: Inputkosten und Verkaufspreise stiegen, die kurzfristigen Inflationserwartungen zogen an.
Gleichzeitig fielen das Verbrauchervertrauen und die erwartete Aktivität im Dienstleistungssektor stark.
Die Finanzierungsbedingungen verschärften sich ebenfalls, was die Geldpolitik vor komplexe Herausforderungen stellt.
Zwischen Ignorieren und Überreagieren
Die EZB muss bei Energieschocks einen schmalen Grat beschreiten.
Weder darf sie die Schocks als vorübergehend abtun, noch darf sie überreagieren, als wäre die Wirtschaft in der gleichen Lage wie 2022.
Die Herausforderung besteht darin, die Verankerung von Inflationserwartungen zu verhindern, ohne die bereits geschwächte Nachfrage weiter zu belasten.