Brandolini warnt vor Folgen des Nahost-Konflikts für Italiens Finanzen
Andrea Brandolini von der Banca d'Italia warnt vor den weitreichenden wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Konflikts. Die geopolitischen Spannungen belasten die globalen Wachstumsaussichten und Italiens öffentliche Finanzen.
Nahost-Konflikt belastet globale Aussichten
Der Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran destabilisiert die globale Wirtschaft stark.
Andrea Brandolini, Leiter der Abteilung Wirtschaft und Statistik der Banca d'Italia, warnte vor weitreichenden Folgen.
Die Unterbrechung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus und Schäden an Energieinfrastrukturen im Persischen Golf ließen die Ölpreise um 45 Prozent und die europäischen Gaspreise um über 40 Prozent steigen.
Italien ist stark betroffen, da es 10 Prozent seines Rohöls, 11 Prozent seines Erdgases und ein Viertel seiner raffinierten Erdölprodukte aus der Golfregion importiert.
Auch für nicht-energetische Rohstoffe wie Helium und Düngemittel ist die Straße von Hormus kritisch.
Der IWF revidierte seine globale Wachstumsprognose auf 3,1 Prozent für dieses Jahr.
Ein längerer Konflikt könnte das Wachstum auf 2 Prozent reduzieren.
Im Euroraum stieg die Inflation im März auf 2,6 Prozent, hauptsächlich wegen höherer Kraftstoffpreise.
Die EZB-Projektionen vom März sehen das BIP-Wachstum bei 0,9 Prozent für dieses Jahr und die Inflation bei 2,6 Prozent im Jahr 2026.
Ein ungünstiges Szenario könnte das Wachstum um einen halben Prozentpunkt senken und die Inflation um über zwei Prozentpunkte erhöhen.
Die EZB hielt die Zinsen im März unverändert.
Italiens Wirtschaft im Schatten des Konflikts
Italiens BIP wuchs 2025 um 0,5 Prozent, doch die Aussichten verschlechterten sich nach Beginn der Nahost-Feindseligkeiten.
Industrieaufträge blieben hoch, aber steigende Kosten und Lieferengpässe belasten die Erwartungen.
Das Verbrauchervertrauen sank, was auf eine Abschwächung der Konsumausgaben hindeutet.
Die italienische Inflation stieg im März nur leicht auf 1,6 Prozent, wird aber voraussichtlich im Jahresdurchschnitt 2026 2,6 Prozent erreichen.
Das BIP-Wachstum wird für 2026 auf 0,6 Prozent und für 2027 auf 0,5 Prozent geschätzt.
Das im Dokument zur öffentlichen Finanzplanung (DFP) vorgestellte makroökonomische Szenario, das ein BIP-Wachstum von 0,6 Prozent für 2026 und 2027 sowie eine Inflation von 2,9 Prozent für 2026 prognostiziert, ist weitgehend konsistent mit den Schätzungen der Banca d'Italia und anderer Prognostiker.
Die Regierung analysierte ebenfalls ein adverses Szenario mit fast einem Prozentpunkt geringerem BIP-Wachstum im Zeitraum 2026-29.
Italiens Schuldenlast bleibt eine Herausforderung
Das öffentliche Defizit Italiens sank 2025 auf 3,1 Prozent des BIP, doch die Staatsverschuldung erhöhte sich um 2,4 Prozentpunkte auf 137,1 Prozent.
Dies ist auf Steuergutschriften für das Baugewerbe und höhere Liquiditätsreserven des Finanzministeriums zurückzuführen.
Trotz eines erwarteten Rückgangs der Neuverschuldung bis 2029 bleibt die hohe Schuldenlast eine strukturelle Herausforderung für Italien, insbesondere angesichts steigender Zinsausgaben und geopolitischer Unsicherheiten.