Panetta: KI-Boom stützt Weltwirtschaft, Handel fragmentiert sich
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Panetta: KI-Boom stützt Weltwirtschaft, Handel fragmentiert sich

Der Gouverneur der Banca d'Italia, Fabio Panetta, analysiert die globale Wirtschaft und den Handel in einer fragmentierten Welt. Er betont das stärkere Wachstum durch den KI-Boom, warnt aber vor Deflationsdruck aus China und einer Neukonfiguration der Handelsströme.

KI-Boom treibt Weltwirtschaft, China exportiert Deflation

Die Weltwirtschaft wuchs 2025 mit 3,3 Prozent stärker als erwartet, ein halber Prozentpunkt über der Prognose.

Haupttreiber war der Boom der Künstlichen Intelligenz (KI), insbesondere der Bau von Rechenzentren.

Die USA profitierten besonders, mit einem BIP-Wachstum von durchschnittlich 3,2 Prozent seit dem Frühjahr, gestützt durch den Konsum und steigende Aktienkurse.

Überraschend trug auch ein schneller Anstieg des internationalen Handels zum globalen Wachstum bei.

China erreichte sein Wachstumsziel von 5 Prozent, indem es Exportüberschüsse trotz US-Handelsbarrieren auf andere Märkte umleitete.

Dies wurde durch sinkende Exportpreise (minus 8,8 Prozent seit Anfang 2024) und einen höheren Technologieanteil der Waren ermöglicht.

Diese Strategie ist kurzfristig effektiv, birgt aber langfristig Deflationsdruck.

Gleichzeitig wurden die geldpolitischen Bedingungen in den führenden Industrieländern gelockert: Die Zinsen sanken in Großbritannien um 150, in den USA um 175 und im Euroraum um 200 Basispunkte von ihren Höchstständen.

Der IWF prognostiziert für 2026 ein stabiles globales Wachstum von 3,3 Prozent, mit Abwärtsrisiken durch Finanzmärkte und Geopolitik.

Europa ringt mit Konsum und chinesischer Konkurrenz

Auch die europäische Wirtschaft verzeichnet ein über den Erwartungen liegendes Wachstum von rund 1,5 Prozent, bei kontrollierter Inflation.

Die Erholung der Realeinkommen und die allmähliche Lockerung der Geldpolitik stützen das Wachstum, doch die Konsumausgaben bleiben verhalten.

Investitionen, besonders in immaterielle Güter wie KI und Cloud-Dienste, nehmen zu, haben aber einen geringeren Gesamteffekt als in den USA.

Die Industrieschwäche wird durch chinesische Konkurrenz, die nun auch Hochtechnologiesektoren erreicht, verstärkt.

Die Inflation im Euroraum sank im Januar auf 1,7 Prozent und wird mittelfristig bei etwa 2 Prozent erwartet.

Die EZB hat ihre Leitzinsen seit Juni unverändert gelassen, und die Märkte erwarten 2026 keine Änderungen.

Panetta betont die Notwendigkeit eines flexiblen, datenabhängigen geldpolitischen Ansatzes, der am mittelfristigen Ausblick ausgerichtet ist.

Die EZB-März-Projektionen werden weitere Entscheidungsgrundlagen liefern.

Komplexe Balanceakt für Zentralbanken

Panettas Rede unterstreicht die vielschichtigen Herausforderungen der globalen Wirtschaft.

Während der KI-Boom das Wachstum antreibt, schaffen Handelsfragmentierung und Chinas Exportstrategie neue Risiken wie Deflationsdruck und komplexere Lieferketten.

Dies erfordert von den Zentralbanken einen äußerst flexiblen und datenabhängigen geldpolitischen Ansatz, um die Balance zwischen Stabilität und Wachstum zu halten.

Quelle: Trade and finance in a fragmented world

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