Umstellung auf T+1: Zwei EU-Umfragen gestartet
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Umstellung auf T+1: Zwei EU-Umfragen gestartet

Zwei europäische Umfragen zur Umstellung auf den T+1-Abwicklungszyklus für Wertpapiergeschäfte wurden am 12. Mai gestartet. Der neue Rahmen der EU-Verordnung 2025/2075 gilt ab dem 11. Oktober 2027 und verkürzt die Abwicklungsfrist.

Schnellere Abwicklung ab 2027

Die Europäische Union bereitet sich auf eine signifikante Änderung im Wertpapierhandel vor: Ab dem 11. Oktober 2027 wird der T+1-Abwicklungszyklus verpflichtend.

Dies bedeutet, dass Transaktionen am ersten Geschäftstag nach dem Handelstag (T+1) abgewickelt werden müssen, im Gegensatz zum derzeitigen T+2-Zyklus, der zwei Geschäftstage vorsieht.

Die Umstellung ist durch die EU-Verordnung 2025/2075 geregelt und zielt darauf ab, die Effizienz und Stabilität der Märkte zu erhöhen.

Die schnellere Abwicklung soll das Kontrahentenrisiko reduzieren und die Kapitalbindung für Marktteilnehmer verringern, was langfristig zu einer robusteren Finanzinfrastruktur beitragen kann.

Die Anpassung erfordert umfassende Änderungen in den operativen Prozessen der Finanzinstitute und der gesamten Marktinfrastruktur, um die neuen Fristen einzuhalten und einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.

Die verkürzte Frist stellt hohe Anforderungen an die Automatisierung und die Datenverarbeitung.

Die Umstellung ist ein entscheidender Schritt zur Modernisierung der europäischen Kapitalmärkte und zur Angleichung an internationale Standards, insbesondere an die bereits erfolgte Umstellung in den USA und Kanada.

Marktbereitschaft im Fokus der Behörden

Zur Unterstützung des Marktes bei dieser Umstellung wurde eine spezielle europäische Governance-Struktur eingerichtet.

Diese umfasst ein Industriegremium, das die Interessen der Branche vertritt, sowie ein Koordinierungsausschuss.

Letzterer wird von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) geleitet und zählt die Europäische Kommission sowie die Europäische Zentralbank (EZB) zu seinen Mitgliedern.

Auf nationaler Ebene koordinieren CONSOB und die Banca d'Italia die vorbereitenden Arbeiten.

Im Rahmen dieser Bemühungen wurden am 12. Mai zwei Umfragen gestartet.

Die zweite Ausgabe der Umfrage des Industriegremiums (IC) bewertet den Stand der Vorbereitung auf den T+1-Zyklus.

Eine ergänzende Umfrage, koordiniert von der ESMA und gefördert von nationalen Behörden, befasst sich mit den Entwürfen legislativer Maßnahmen, die am 13. Oktober 2025 der Europäischen Kommission vorgelegt wurden und deren Genehmigung bis Sommer 2026 erwartet wird.

Eine breite Beteiligung der Marktteilnehmer an diesen Erhebungen ist unerlässlich, um den Behörden eine fundierte Einschätzung der Marktbereitschaft zu ermöglichen und potenzielle Probleme frühzeitig zu identifizieren.

Ein notwendiger, aber komplexer Schritt

Die Umstellung auf T+1 ist ein unumgänglicher Fortschritt für die Wettbewerbsfähigkeit und Risikoresilienz der europäischen Finanzmärkte.

Die Koordination zwischen nationalen und europäischen Behörden sowie der Industrie ist dabei von entscheidender Bedeutung, um Fragmentierung zu vermeiden.

Ohne eine hohe Beteiligung an den aktuellen Umfragen riskieren die Aufsichtsbehörden, blinde Flecken bei der Bewertung der Marktbereitschaft zu übersehen.