Angelini: US- und EU-Banken – Präsenz und Regulierung im Vergleich
Banca d'Italia-Direktor Angelini verglich die transatlantische Präsenz von US- und EU-Banken. Er analysierte deren Regulierungsrahmen für digitale Resilienz, Krypto-Assets und Klimapolitik.
US-Banken dominieren Investmentbanking in EU
22 US-Bankengruppen, davon 8 G-SIBs, operieren in der EU, meist über Tochtergesellschaften.
Umgekehrt sind 25 europäische Bankengruppen, darunter 6 G-SIBs, in den USA tätig, vorwiegend über Filialen.
US-Banken bevorzugen in Europa Tochtergesellschaften, beeinflusst durch Brexit und den EU-Pass.
Europäische Banken in den USA nutzen Filialen, was auch durch die Intermediate Holding Company (IHC)-Regel von 2016 bedingt ist.
Beide Märkte sind für die jeweiligen G-SIBs wichtig: 14 Prozent der US-G-SIB-Einnahmen stammen aus EMEA (hauptsächlich Europa), 12 Prozent der EU-G-SIB-Einnahmen aus den USA.
Beide bedienen ähnliche Marktsegmente wie Corporate und Investment Banking sowie Global Markets, primär für große Unternehmen und institutionelle Kunden.
Im Investmentbanking dominieren US-Banken auch in der EU, während nur eine EU-Gruppe unter den Top-10 im US-Schuldinstrumentenmarkt ist.
Dies liegt an Skalenvorteilen und Spezialkompetenzen der US-Banken.
DORA, MiCA und Klimarisiken im Fokus
Die Bankenregeln in Europa und den USA teilen Basler Standards, zeigen aber wichtige Unterschiede.
Bei digitaler operativer Resilienz setzt die EU mit DORA auf einen detaillierten, bindenden Rahmen mit direkter Überwachung kritischer Technologieanbieter und obligatorischen Resilienztests.
Die USA nutzen primär unverbindliche Leitlinien.
Für Krypto-Assets hat die EU mit MiCA einen umfassenden Regulierungsrahmen geschaffen, der auch Übergangsregime für Basler Standards vorsieht.
Die USA haben sich hier nicht angepasst und beschränken sich mit dem GENIUS Act auf Stablecoin-Emittenten, wobei MiCA bei Stablecoin-Regeln strenger ist.
Bei Klimapolitiken integriert die EU Klimarisiken in SREP und Stresstests, während die USA einen vorsichtigeren, teils ablehnenden Ansatz verfolgen.
EU-Regulierung: Preskriptiv, aber zukunftsfest
Die EU-Regulierung, oft als zu preskriptiv kritisiert, zeigt sich in Bereichen wie digitaler Resilienz und Krypto-Assets als zukunftsfest und umfassender als der US-Ansatz.
Während die USA auf Vereinfachung und Deregulierung setzen, bietet der europäische Weg mehr Klarheit und ein höheres Schutzniveau für neue Risiken.
Dies könnte langfristig die Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität der europäischen Banken stärken, erfordert aber eine kontinuierliche Anpassung an globale Entwicklungen.