Europäische Ersparnisse bauten vor 1873 die US-Wirtschaft auf
Vor dem Börsenkrach von 1873 finanzierten europäische Sparer Schlüsseltechnologien im Ausland wie den Suezkanal und US-Eisenbahnen. Eine BIZ-Rede zieht Parallelen zwischen der damaligen Gründerzeit und heutigen globalen Investitionswellen.
Investitionsboom über alle Grenzen hinweg
In den Jahren vor 1873 – der Gründerzeit – fielen Stadtmauern, die Wiener Ringstraße entstand und Eisenbahnen erschlossen das Kaiserreich.
Hunderte neuer Banken sowie Aktiengesellschaften entstanden zeitgleich.
Dabei stoppte das Kapital nicht an Landesgrenzen: In zuvor nicht gekanntem Ausmaß verliehen Sparer in Wien, Berlin, Paris und London ihr Geld ins Ausland.
Die Mittel flossen gezielt in transformative Technologien jener Epoche.
Während französische Sparer den Suezkanal finanzierten, lenkten britische und deutsche Anleger noch größere Summen in den Ausbau US-amerikanischer Eisenbahnlinien.
Der Historiker Eric Hobsbawm bezeichnete diese dynamischen Jahrzehnte treffend als das „Zeitalter des Kapitals“.
Reale Substanz überdauert den Börsenkrach
Im Jahr 1873 fand dieser Aufschwung ein jähes Ende.
Nur acht Tage nachdem der Kaiser die Weltausstellung im Wiener Prater eröffnet hatte, brach die Börse in Wien zusammen; vier Monate darauf folgte die Wall Street.
Der Zusammenbruch traf beide Kontinente.
Doch die mit dem Kapital finanzierte Infrastruktur verblieb in den Vereinigten Staaten – und mit ihr das Wirtschaftswachstum.
Zum Ende des Jahrhunderts stiegen die USA zur größten Volkswirtschaft auf, während Europa zwei Dekaden schwachen Wachstums erlebte.
Europa finanziert, andere profitieren
Der Rückblick verdeutlicht das Risiko einseitiger Kapitalexporte bei technologischen Umbrüchen.
Europäische Sparer trugen 1873 das volle Krisenrisiko, während die USA von der aufgebauten Infrastruktur profitierten.
Für die aktuelle Debatte um KI-Investitionen und Souveränität liefert der Befund eine klare Warnung.