Island plant Kontozahlungen als Alternative zum Kartennetz
Tómas Brynjólfsson, Vizegouverneur der isländischen Zentralbank, erläutert Pläne für ein nationales Konto-zu-Konto-Zahlungssystem. Ergänzend strebt Island die Bereitschaft zur Teilnahme am europäischen Echtzeitdienst TIPS im zweiten Halbjahr 2028 an.
Neue Zahlungswege statt Kartenersatz
Die isländische Zentralbank hat die Beschaffung einer Kernlösung auf Basis von Zahlungsanforderungen begonnen.
Sie soll bestehende, von der Zentralbank betriebene Echtzeitüberweisungen für Zahlungen im Handel erschließen.
Verbraucher sollen direkt vom Konto an Kassen, online und untereinander zahlen; Empfänger erhalten sofort eine Bestätigung.
Banken und Zahlungsfirmen übernehmen Anwendungen und Händlerlösungen, die Zentralbank stellt Abwicklung und gemeinsame Standards bereit.
Karten bleiben erhalten.
Parallel soll TIPS Kronenzahlungen auf europäischer Infrastruktur abwickeln.
Angestrebt ist Bereitschaft im zweiten Halbjahr 2028; ein Starttermin fehlt.
Die Teilnahme an T2 und T2S sowie TIPS-Zahlungen über Währungsgrenzen hinweg sollen geprüft werden.
Abhängigkeiten reichen bis zum Seekabel
Bei der Konferenz Money Live Nordic Banking in Kopenhagen verwies Brynjólfsson auf die Abhängigkeit von Visa, Mastercard und Seekabeln.
Bargeld bleibt Reserve für lange Ausfälle.
Zusätzliche Kabelkapazität, Satellitenreserve und lokale TIPS-Notfallfunktionen sollen Verbindungen absichern; Kartenzahlungen sollen auch offline möglich sein.
Die Zentralbank hat sieben kritische Dienste bewertet und 2026 ein rund um die Uhr überwachendes Störungszentrum eingerichtet.
DORA erweitert ihre Aufsicht.
Über den EWR ist Island integriert, bleibt aber außerhalb von EU, Euroraum und Bankenunion.
Akzeptanz macht die Reserve nutzbar
Brynjólfssons Strategie verbindet europäische Infrastruktur mit nationaler Handlungsfähigkeit statt mit Abschottung.
Nach seiner Darstellung schützt TIPS allein nicht vor Verbindungsabbrüchen.
Das nationale System trägt erst zur Widerstandsfähigkeit bei, wenn Händler und Kunden es bereits vor einer Störung breit nutzen.