Bailey: Globale Ungleichgewichte fordern offene Ökonomien heraus
Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England, warnte vor wachsenden globalen Ungleichgewichten und der Fragmentierung der Weltwirtschaft. Er betonte die Notwendigkeit, offene Ökonomien und multilaterale Institutionen zu stärken.
Multipolarität und Handel als Spannungsfelder
Bailey hob die Vorteile offener Ökonomien hervor und unterstrich die Notwendigkeit eines regelbasierten internationalen Systems, das von multilateralen Institutionen getragen wird.
Dieses System erfordert demnach nationale Unterstützung und Flexibilität, insbesondere in einer multipolaren Welt mit sich verschiebenden Machtverhältnissen.
Der Fokus internationaler Spannungen hat sich von monetären Beziehungen hin zum Handel verlagert, der aufgrund von Fragen der Fairness und Gleichheit anfälliger für innenpolitischen Druck ist.
Bailey betonte, das System müsse robust gegenüber allen globalen Zuständen und anpassungsfähig sein, wobei Institutionen zur Neuerfindung fähig sein müssen.
Er schloss, dass das System von nationaler Akzeptanz und Robustheit gegenüber Veränderungen abhängt und derzeit stärker vom Handel geprägt ist, den Zentralbanken nicht ignorieren können.
Vier Gegenwinde bremsen Wachstum
Bailey identifiziert vier bedeutende Gegenwinde für das globale Wachstum: eine 15-jährige Pause in Produktivitätszyklen (vor dem nächsten „Schub“ durch KI/Robotik), alternde Bevölkerungen, die fiskalische Anforderungen erhöhen, steigende Verteidigungsausgaben und klimabedingte Wirtschaftsschocks.
Diese Kräfte erschweren die internationale Zusammenarbeit erheblich.
Er betont die Wiederbelebung der Industriepolitik, die zwar eine Reaktion auf diese Gegenwinde sein kann, aber auch zu anhaltenden globalen Ungleichgewichten führen könnte.
Erste Analysen der Bank of England deuten darauf hin, dass makroökonomische Faktoren zwar dominieren, Industriepolitik jedoch, insbesondere in Verbindung mit relativ geschlossenen Kapitalbilanzen, kurz- bis mittelfristig materielle Effekte haben kann.
Populismus fordert Institutionen heraus
Der Aufstieg des Populismus erschwert die Bewältigung globaler Ungleichgewichte erheblich, indem er Offenheit und internationale Institutionen untergräbt.
Bailey fordert eine aktive Gegenwehr: Institutionen müssen die Vorteile robuster wirtschaftlicher Offenheit und die Notwendigkeit multilateraler Zusammenarbeit unermüdlich betonen.
Es ist entscheidend, die nächste Welle der Produktivität durch KI und Robotik verantwortungsvoll zu gestalten und in die notwendigen Fähigkeiten zu investieren.