Studie: Aufmerksamkeit steuert Geldpolitik-Wirkung auf Haushalte
Eine neue Studie der Federal Reserve Bank of Atlanta zeigt: Die Wirkung der Geldpolitik auf Haushalte hängt von deren Aufmerksamkeit ab. Identische Maßnahmen können je nach Informationslage unterschiedliche Erwartungsreaktionen hervorrufen.
Aufmerksamkeit als Filter für Politiksignale
Geldpolitische Schocks beeinflussen die Inflationserwartungen primär bei aufmerksamen Haushalten.
Eine neue Studie der Federal Reserve Bank of Atlanta belegt, dass Haushalte, deren Einschätzungen der Geschäftslage mit den realisierten makroökonomischen Ergebnissen übereinstimmen, am stärksten auf Politiknachrichten reagieren.
Nicht-aufmerksame Haushalte zeigen hingegen kaum Reaktionen.
Die aggregierte Weitergabe von Politiksignalen skaliert mit der gesamtwirtschaftlichen Aufmerksamkeit und verstärkt sich in Rezessionen sowie in Phasen hoher Unsicherheit.
Zudem sind die Erwartungsreaktionen am größten bei Haushalten mit höherer wirtschaftlicher Exposition, wie Aktionären und Eigenheimbesitzern.
Diese Gruppen tragen überproportional zur Übertragung der Geldpolitik in aggregierte Erwartungen bei.
Die Studie nutzt Daten des Michigan Survey of Consumers, um die Aufmerksamkeit der Haushalte vor dem Eintreffen identifizierter Politikschocks zu messen.
Der Erwartungs-Multiplikator
Die Autoren entwickeln ein Verhaltensmodell, in dem Haushalte ihre Aufmerksamkeit für makroökonomische Bedingungen endogen anpassen.
Aufmerksamkeit wird als Abwägung zwischen Prognosegenauigkeit und kognitiven Kosten verstanden.
Dadurch wirkt die Geldpolitik über einen sogenannten 'Erwartungs-Multiplikator'.
Das Modell impliziert, dass Politiknachrichten die Erwartungen vor allem bei aufmerksamen Haushalten bewegen sollten.
Im Aggregat sollte die Weitergabe mit der gesamtwirtschaftlichen Aufmerksamkeit skalieren und sich verstärken, wenn Unsicherheit die Aufmerksamkeit erhöht.
Dies führt zu einer nichtlinearen Übertragung der Geldpolitik.
Jenseits der reinen Rationalität
Diese Studie liefert eine wichtige Erklärung für die variable Wirksamkeit der Geldpolitik, indem sie menschliches Verhalten in den Fokus rückt.
Sie zeigt auf, dass Zentralbanken ihre Kommunikationsstrategien an die Aufmerksamkeitszyklen der Bevölkerung anpassen müssen.
Für die Praxis bedeutet dies eine differenziertere Ansprache je nach wirtschaftlicher Lage und Zielgruppe.