Lieferketten brauchen je nach Engpass andere Schutzmaßnahmen
Dauerhafte Rohstoffabhängigkeit verlangt andere Maßnahmen als vorübergehende Produktionsausfälle. Das zeigen Ryan Banerjee, Michael Chui und Leonardo Gambacorta im Bulletin 139 der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vom 26. Oktober 2026.
Chinas Stärke liegt nach der Förderung
Bei Seltenen Erden schafft nicht physische Knappheit die Abhängigkeit, sondern konzentrierte Verarbeitungskapazität.
China hielt 2025 rund 60 Prozent der weltweiten Reserven.
Bei Neodym-Eisen-Bor-Magneten entfielen rund 58 Prozent der Förderung, aber etwa 90 Prozent der Trennung, Metallraffination und Magnetherstellung auf China.
Industriepolitik, niedrige Umweltkosten, Technologie und Skaleneffekte stärkten diese Stellung.
Japan senkte Chinas Anteil an seinen Importen Seltener Erden von rund 80 auf zeitweise 40 Prozent Mitte der 2010er Jahre; bei Lanthanoxid blieb die Abhängigkeit vollständig.
Alternative Lieferungen sind meist teurer.
Vorräte und Handelsumleitungen helfen nur befristet.
China erzeugte 2025 zudem 99 Prozent des primären Galliums niedriger Reinheit.
Festplattenfertigung kehrt nach Flut zurück
Thailand lieferte 2011 rund 40 Prozent der weltweiten Festplattenproduktion.
Nach den Überschwemmungen sank die Fertigung im vierten Quartal um 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Western Digital lieferte statt 52,2 Millionen nur 28,5 Millionen Geräte, startete die Produktion aber nach 46 Tagen erneut.
Verlagerungen nach Malaysia, gesicherte Vorräte und Lieferanten an mehreren Standorten halfen.
Das Unternehmen hielt alle 38.000 Beschäftigten bei 75 Prozent ihres normalen Gehalts und kommunizierte transparent mit Kunden und Investoren.
Strategisch heißt nicht gesamtwirtschaftlich groß
Ein einjähriges chinesisches Galliumembargo würde laut zitierter Schätzung das US-BIP um 3,1 Milliarden Dollar oder 0,01 Prozent senken.
Die Autoren setzen bei dauerhaften Abhängigkeiten auf alternative Kapazitäten und Technologien.
Bei temporären Ausfällen nennen sie Vorräte, Redundanz und Krisenvorsorge statt pauschaler Rückverlagerung.