Ölpreisschock von 120 Prozent fordert die Geldpolitik heraus
BIS Paper

Ölpreisschock von 120 Prozent fordert die Geldpolitik heraus

Ein Ölangebotsschock von knapp 15 Prozent hat die Rohölpreise nach Ausbruch des Iran-Konflikts um über 120 Prozent steigen lassen. Eine BIZ-Studie zeigt, dass Zweitrundeneffekte die Inflation vor allem bei verfehlten Erwartungen verdoppeln und Notenbanken vor ungleiche Hürden stellen.

Rohöl um 120 Prozent verteuert

Fünf Monate nach Ausbruch des Iran-Konflikts schrumpfte das globale Ölangebot um knapp 15 Prozent, während die Ölpreise in der Spitze um über 120 Prozent zulegten.

Zum Vergleich: Nach der Invasion Kuwaits 1990 stieg der Ölpreis um 180 Prozent, nach dem Angriff auf die Ukraine 2022 um 77 Prozent.

Die Blockade der Straße von Hormus betrifft zudem Schlüsselgüter wie Düngemittel und Helium.

Gleichzeitig verdoppelten sich die Gaspreise in Asien im ersten Monat.

Die Übertragung auf die Kerninflation fällt bei großen Angebotsschocks überproportional hoch aus.

Wenn die Inflationserwartungen der Bevölkerung über dem Zielwert liegen, verdoppelt sich der preissteigernde Effekt auf die Kerninflation im Vergleich zu gut verankerten Erwartungen.

Struk­tur­un­ter­schie­de spalten die Notenbanken

Die makroökonomischen Folgen hängen stark von der Rohstoffabhängigkeit ab.

Während Energieexporteure von besseren Austauschverhältnissen und einer aufwertenden Währung profitieren, verstärken Abwertungen den Inflationsdruck bei Importeuren.

Zudem dämpft eine restriktive Geldpolitik die Weitergabe der Energiepreise, während eine expansive Finanzpolitik den Preisdruck anheizt.

Die Finanzmärkte rechnen daher in den USA und im Euroraum mit einer anhaltenden straffen Zinspolitik.

Abwarten ist das größte Risiko

Eine vorsichtige Abwartetaktik der Notenbanken wirkt auf den ersten Blick verlockend.

Sie birgt jedoch die konkrete Gefahr, dass sich überhöhte Inflationserwartungen verfestigen und spätere Zinsschritte umso schmerzhafter machen.

Wer bei angebotsseitigen Schocks zu lange zögert, verspielt die mühsam erarbeitete Glaubwürdigkeit.