Panetta mahnt zur Flexibilität in der Geldpolitik
Banca-d'Italia-Chef Fabio Panetta hat auf einer ESCB-Konferenz eine Anpassung der geldpolitischen Analyse gefordert. Angesichts von Geopolitik, KI und Demografie müsse die EZB flexibler auf komplexe Angebotsschocks reagieren.
Zinsanhebung trifft auf neue Energiekrise
Das Wirtschaftswachstum im Euroraum lag 2025 bei 1,4 Prozent, gestützt von Binnennachfrage und Rüstungsausgaben.
Der Ausbruch des Konflikts am Persischen Golf erhöhte jedoch die Rohstoffpreise und trübte das Verbrauchervertrauen ein.
Im Juni hob der EZB-Rat den Einlagenzins um 25 Basispunkte an, da die Inflationserwartungen für 2026 auf 3,0 Prozent stiegen.
Eine Rückkehr zum Zwei-Prozent-Ziel wird erst für die zweite Hälfte des Jahres 2027 projiziert.
Panetta betonte, dass große Energieschocks die Preise zwar rasch anheben, zeitgleich aber die Kaufkraft dämpfen.
Die Notenbank müsse daher genau abwägen, ob Zweitrundeneffekte drohen oder die schwache Nachfrage den Preisdruck von alleine bremst.
Die Wende in den Wirkungskanälen
Die Weltwirtschaft befindet sich laut Panetta in einer Phase tiefgreifender Umstrukturierung.
Geopolitische Fragmentierung, künstliche Intelligenz und die Alterung der Gesellschaft verändern die Wirkungskanäle der Geldpolitik grundlegend.
Während digitale Banken und KI Preis- und Zinsanpassungen beschleunigen können, schwächt der demografische Wandel die Zinssensitivität von Konsumentscheidungen ab.
Zudem erschwert die Unsicherheit über den neutralen Zinssatz die präzise Steuerung der Geldpolitik.
Szenarien statt Schematismus
Panettas Plädoyer für Flexibilität legt die Schwächen klassischer Notenbankmodelle in Krisenzeiten offen.
Starre Zinspfade sind in einer von permanenten Schocks geprägten Weltwirtschaft schlicht unbrauchbar.
Für Finanzmärkte bedeutet dieser Paradigmenwechsel vor allem eines: deutlich mehr Unberechenbarkeit.