Philadelphia Fed: Heimverbundenheit bremst US-Mobilität
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Philadelphia Fed: Heimverbundenheit bremst US-Mobilität

Eine Studie der Federal Reserve Bank of Philadelphia zeigt: Der Rückgang der Binnenmigration in den USA ist primär auf eine zunehmende Heimverbundenheit in „schnellen Regionen“ zurückzuführen. Diese Gebiete, einst Ziele starken Bevölkerungswachstums, erleben nun eine Verlangsamung der Mobilität.

Die Dynamik der „schnellen Regionen“

Die interne Migration in den USA nimmt seit Jahrzehnten ab, ein Trend, der sich über alle demografischen Schichten erstreckt.

Dies ist alarmierend für politische Entscheidungsträger, da Migration als primärer Anpassungsmechanismus des Arbeitsmarktes gilt.

Die vorliegende Studie belegt, dass dieser Rückgang maßgeblich durch eine steigende Heimverbundenheit in sogenannten „schnellen Regionen“ verursacht wird.

Dies sind Gebiete mit überdurchschnittlich hoher Bevölkerungsfluktuation, die im 20. Jahrhundert Hauptziele des Bevölkerungswachstums waren.

Mit der Konvergenz des regionalen Bevölkerungswachstums entwickelten die ehemals transienten Populationen tiefere Wurzeln, was die Mobilität verringerte.

Der Analyse zufolge ist der Rückgang der Migration national primär auf die Angleichung der Mobilitätsraten in diesen „schnellen Regionen“ an jene langsamerer Gebiete zurückzuführen.

Die Autoren führen ein Modell der Standortwahl in heterogenen Regionen mit überlappenden Generationen ein, das diesen qualitativen Mustern Rechnung trägt.

Modellierung von Heimatliebe und Umzugsfriktionen

Das Papier entwickelt ein diskretes Wahlmodell zur Standortwahl, das individuelle Präferenzen für den Heimatort („home bias“) sowie Umzugskosten berücksichtigt.

Ein stilisiertes Modell zeigt, wie Bevölkerungsumverteilung zunächst die durchschnittliche Heimverbundenheit senkt und die Migration erhöht, bevor mit konvergierendem Wachstum die Verwurzelung zunimmt und die Migrationsraten sinken.

Empirisch wird ein strukturelles Migrationsmodell geschätzt, das Umzugsfriktionen von der Heimatnutzenfunktion trennt.

Eine neuartige Messgröße für Heimverbundenheit, basierend auf der Wahrscheinlichkeit, dass eine Geburtskohorte lokale Eltern hatte, hilft, die Intensität der Bindung zu quantifizieren.

Simulationen des Modells bestätigen, dass steigende Heimverbundenheit einen Großteil des Mobilitätsrückgangs erklärt, insbesondere in den „schnellen Regionen“.

Die Alterung der Bevölkerung trägt ebenfalls bei, jedoch räumlich neutraler.

Wohlfahrtsgewinn oder Anpassungshemmnis?

Die Erkenntnisse sind von großer Bedeutung, da sie ein lange übersehenes Phänomen quantifizieren und das räumliche Muster des Migrationsrückgangs erklären.

Obwohl eine höhere Heimverbundenheit die Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft an Schocks mindern kann, deuten die Autoren auf positive Wohlfahrtsimplikationen hin, da mehr Menschen ihren optimalen Standort gefunden haben.

Dennoch bleiben Fragen zur optimalen Bevölkerungsverteilung und den Kosten für den Zugang zu produktiven Regionen offen, die weiterer Forschung bedürfen.

Quelle: Fast Locations and Slowing Mobility

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