CBRT-Studie: Firmenpsychologie – Wahrnehmung steuert Investitionen und Beschäftigung
Eine Studie der türkischen Zentralbank (CBRT) zeigt, wie die Wahrnehmung von Profitabilität bei Firmen deren Expansions- oder Kontraktionsentscheidungen beeinflusst. Sie belegt, dass Angst vor Profitabilitätsverlust das Preisverhalten bei hoher Inflation stört und Optimismus bei externer Nachfrage die Produktion in Phasen straffer Geldpolitik antreibt.
Angst und Optimismus prägen Firmenentscheidungen
Die Untersuchung von K. Azim Özdemir, basierend auf Interviews des RESİM-Programms der türkischen Zentralbank (CBRT), beleuchtet die psychologischen Mechanismen hinter Unternehmensentscheidungen.
Ein zentrales Ergebnis ist, dass in Zeiten hoher Inflation die Angst vor Profitabilitätsverlust zu einem dominierenden Gefühl wird und das Preisverhalten der Unternehmen verzerrt.
Dies führt dazu, dass Firmen ihre Preisstrategien nicht rational anpassen, sondern von der Furcht vor Margenverlusten geleitet werden.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass in Phasen straffer Geldpolitik der Optimismus hinsichtlich der externen Nachfrage eine stärkere Motivation für Produktionsaktivitäten darstellt.
Unternehmen, die trotz restriktiver monetärer Bedingungen eine positive Entwicklung im Export oder bei internationalen Aufträgen erwarten, sind eher bereit, ihre Produktion auszuweiten und somit die wirtschaftliche Aktivität zu stützen.
Beschäftigung und Investitionen im Gleichschritt
Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie ist der Zusammenhang zwischen Beschäftigungs- und Investitionsabsichten.
Insbesondere in Perioden straffer Geldpolitik tendieren Beschäftigungsabsichten dazu, überwiegend bei jenen Firmen beobachtet zu werden, die gleichzeitig starke Investitionsabsichten zeigen.
Dies deutet darauf hin, dass Unternehmen in einem restriktiven Umfeld Personal nur dann aufstocken, wenn sie auch bereit sind, in ihre Zukunft zu investieren.
Darüber hinaus stellt die Studie fest, dass Unternehmen selbst in Phasen unterstützender Geldpolitik die finanziellen Bedingungen weiterhin als angespannt wahrnehmen können.
Diese Diskrepanz zwischen objektiver Politik und subjektiver Wahrnehmung unterstreicht die Komplexität der Übertragungsmechanismen von Geldpolitik auf die Realwirtschaft.
Psychologie als blinder Fleck der Geldpolitik
Die Studie liefert wertvolle Einblicke in die oft unterschätzte Rolle der Firmenpsychologie für die Wirksamkeit der Geldpolitik.
Sie zeigt, dass die reine Anpassung von Zinssätzen nicht ausreicht, wenn die subjektive Wahrnehmung der Unternehmen von Angst oder Optimismus geprägt ist.
Für Zentralbanken bedeutet dies, ihre Kommunikationsstrategien und Instrumente stärker auf diese Verhaltensfaktoren auszurichten, um die gewünschten Effekte in der Realwirtschaft zu erzielen.