Köhler-Geib: Statistik muss Geopolitik abbilden
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Köhler-Geib: Statistik muss Geopolitik abbilden

Fritzi Köhler-Geib von der BIZ betont die zentrale Rolle verlässlicher Daten in Zeiten geoökonomischer Fragmentierung. Sie fordert schnellere, nutzerfreundlichere und konsistentere Statistiken, um globale Entwicklungen präzise abzubilden.

Asymmetrien verzerren globales Bild

Fritzi Köhler-Geib, Mitglied des Direktoriums der Deutschen Bundesbank, betonte die zentrale Rolle verlässlicher Daten in Zeiten geoökonomischer Fragmentierung.

Diese sei durch eine Reduktion wirtschaftlicher Integration und multilateraler Kooperation gekennzeichnet, begleitet von einer stärkeren Ausrichtung von Handels- und Finanzbeziehungen an geopolitischen Präferenzen.

Bundesbank-Studien bestätigen, dass erhöhte geopolitische Risiken Importe dämpfen, Kosten erhöhen und Lieferketten stören.

Ein fundamentales Hindernis für ein klares globales Bild sind jedoch große und hartnäckige bilaterale Asymmetrien in den externen Statistiken.

Ein prominentes Beispiel ist die Leistungsbilanz des Euroraums gegenüber den USA, wo 2025 Diskrepanzen von rund 66 Milliarden Euro zwischen den von der EZB und dem US Bureau of Economic Analysis gemeldeten Daten beobachtet wurden.

Diese Asymmetrien erschweren die globale Überwachung und Politikanalyse erheblich und werfen unbequeme Fragen in der öffentlichen Debatte auf, etwa 'Wessen Zahlen stimmen?' und 'Was sind die Gründe für diese Asymmetrien?'

Die Hauptursachen werden in unterschiedlichen Datenquellen und Schätzungsmethoden, komplexen multinationalen Unternehmensstrukturen sowie Vertraulichkeitsbeschränkungen vermutet.

Die Implikation ist klar: Um alle Aspekte des Außenhandels richtig zu verstehen, sind konsistentere Daten unerlässlich.

Ein entschlossenes Vorgehen zur Reduzierung dieser Asymmetrien ist daher von größter Bedeutung.

Datenzugang und Geschwindigkeit entscheidend

Die Bereitstellung relevanter, objektiver Daten muss schneller und nutzerfreundlicher erfolgen.

Dienste wie ChatGPT setzen neue Maßstäbe für den einfachen Zugang zu Informationen, auch wenn ihre Datenqualität nicht mit offiziellen Statistiken vergleichbar ist.

Plattformen wie StatGPT des IWF versuchen, die flexible Interaktion großer Sprachmodelle mit der hohen Qualität offizieller Statistiken zu verbinden.

Internationale SDMX-Sponsororganisationen, darunter BIZ, EZB und IWF, arbeiten daran, offizielle Statistiken auffindbar, maschinenlesbar und global nutzbar zu machen, um sie 'AI-ready' zu gestalten.

Die Nachfrage nach hochfrequenten, granularen Daten, insbesondere in Krisenzeiten und bei Handelskonflikten, verdeutlicht den Bedarf an schnellerer Datenbereitstellung.

Wenn offizielle Statistiken zu langsam oder zu komplex sind, füllen alternative, oft undurchsichtige Datenquellen die Lücke, was Fragen zu Qualität und Vergleichbarkeit aufwirft.

Die Bundesbank hat bereits Schritte unternommen, um die Produktionssysteme in der Wertpapierstatistik zu modernisieren und die Verarbeitungszeiten erheblich zu reduzieren.

Statistik als Pfeiler der Demokratie

Verlässliche Statistiken sind kein technisches Detail, sondern ein Eckpfeiler für fundierte Politik und internationale Zusammenarbeit.

In einer zunehmend komplexen und unsicheren Welt sind sie entscheidend, um Vertrauen in Institutionen zu stärken und 'gute Regierungsführung' zu ermöglichen.

Die Herausforderung besteht darin, Qualität und Geschwindigkeit zu vereinen, um die Lücke zu nicht-traditionellen Datenanbietern zu schließen.