Liquiditätsregeln erhöhen Reservebedarf der Banken nicht
Liquiditätsregeln wie die LCR erhöhen den Zentralbank-Reservebedarf nicht zwingend, sondern verändern nur die Form der Nachfragekurve. Zu diesem Ergebnis kommen die Ökonomen Mathias Drehmann und Xuewen Fu in einem Arbeitspapier der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.
Portfolio-Tausch statt Nachfrageschub
Entgegen der gängigen Annahme treibt die Liquidity Coverage Ratio (LCR) den strukturellen Reservebedarf nicht nach oben, wenn Banken Reserven durch Staatsanleihen substituieren können.
Drehmann und Fu erweitern das klassische Poole-Modell um ein Portfolio aus Reserven, Staatsanleihen und risikoreichen Papieren.
Unterhalb einer Schwelle bleibt die LCR inaktiv, oberhalb verdrängen zusätzliche Zentralbankguthaben renditestärkere Unternehmensanleihen.
Dadurch steigen die Opportunitätskosten der Reservehaltung, was die Nachfrage in bestimmten Zonen sogar dämpft und den Sättigungspunkt nach innen verschiebt.
Monetarisierungsfriktionen bei Nicht-Reserve-HQLA machen Reserven zwar speziell, führen aber ebenfalls nur zu einer elastischeren Kurve statt einer Parallelverschiebung.
Die Tücken des fragmentierten Marktes
Echte Risiken für die Normalisierung der Zentralbankbilanzen entstehen durch fragmentierte Interbankenmärkte.
Wenn Institute nach langen Phasen üppiger Liquidität inaktiv bleiben und Zahlungsströme nur über Zentralbankkonten abwickeln, wirken deren Flüsse wie Angebotsschocks für aktive Händler.
Bei plötzlichen Reduzierungen des Reserveangebots verschiebt sich die effektive Nachfragekurve sprunghaft nach außen, da wenige aktive Banken die Liquiditätslast schultern müssen.
Entwarnung für Bilanzverkürzer
Die Studie entkräftet das Narrativ, dass Liquiditätsregeln dauerhaft riesige Zentralbankbilanzen erzwingen.
Notenbanken können die Bilanzverkürzung entschlossener vorantreiben, wenn sie die Marktaktivität gezielt stimulieren.
Der Hebel für schlankere Bilanzen liegt nicht im Aufweichen von Basel III, sondern in liquiden Geldmärkten.