Beau fordert Kontrolle über kritische digitale Infrastruktur
Denis Beau, Erster Vizegouverneur der Banque de France, fordert beim Pariser Seminar der Association Europe-Finances-Régulations weniger digitale Abhängigkeit im Finanzsektor. Die Zentralbank setzt dafür auf souveräne Cloud-Dienste und quelloffene Technik.
Abhängigkeit kostet Geld und Kontrolle
Beau nennt drei Risiken: Anbieterkonzentration, Verlust eigener IT-Kompetenz und Bindung an Dienstleister durch Wechselhürden oder gebündelte Leistungen.
Laut einer CIGREF-Studie von 2025 geben Europäer jährlich 264 Mrd. Euro für US-Software und Cloud-Dienste aus; die Schätzung extrapoliert Daten von sechs Großunternehmen.
Beim CrowdStrike-Vorfall im Juli 2024 fielen weltweit 8,5 Millionen Computer aus.
Leistungsfähige KI unterstützt Angreifer und Verteidiger; ihr breiter Systemzugriff schafft zusätzliche Risiken für Daten und Sicherheit.
Institute sollen kritische Abhängigkeiten inventarisieren, etwa mithilfe des digitalen Resilienzindex IRN.
Beau nennt Mehranbieter- und Hybrid-Clouds, portable Daten und Anwendungen sowie quelloffene Software als Handlungsoptionen.
Aufsicht und eigene Technik verzahnen
Beau verteidigt Datenschutz-Grundverordnung und KI-Verordnung.
Das Souveränitätspaket der Europäischen Kommission umfasst CADA, eine Cloud-Souveränitätsklassifikation und eine Open-Source-Strategie.
DORA stärkt Tests, Vorfallkontrolle und die Aufsicht über kritische IT-Drittanbieter.
Die ACPR priorisierte im Juni 2026 Cyberhygiene und schnelle Sicherheitsupdates; im Juli erneuerte sie mit der Banque de France die ANSSI-Kooperation.
Die Zentralbank verankert digitale Souveränität im Strategieplan 2028: mit Mistral-KI in souveräner Cloud und quelloffener Virtualisierung.
Kontrolle statt bloßer Auslagerung
Beau verbindet digitale Souveränität mit der Fähigkeit, Daten, Infrastruktur und Fachwissen selbst zu kontrollieren.
Europäische Regeln sollen dabei durch eigene technische Fähigkeiten ergänzt werden.
Im Eurosystem prüft die Banque de France zudem gemeinsame Maßnahmen gegen große Lieferantenrisiken.