Nagel setzt auf digitalen Euro für Europas Souveränität
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Nagel setzt auf digitalen Euro für Europas Souveränität

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat in Stuttgart eine Stärkung der internationalen Rolle des Euro gefordert. Der US-Dollar dominiert mit 57 Prozent der globalen Devisenreserven weiterhin das Finanzsystem, während der Euro auf rund 20 Prozent kommt.

Dollar dominiert Reserven trotz Vertrauenskrise

Mit einem Anteil von 57 Prozent an den weltweiten Devisenreserven Ende 2025 bleibt der US-Dollar unangefochten die Nummer eins, während der Euro bei etwa einem Fünftel verharrt.

Bei internationalen Anleihen legte der Euro-Anteil zwar auf etwa 30 Prozent zu, liegt aber deutlich hinter dem Dollar mit 60 Prozent.

Auch im EU-Handel wird ein Drittel der Exporte und die Hälfte der Importe in Dollar abgewickelt.

Eine neue Bundesbank-Studie zeigt jedoch Schwächen der US-Währung: Politischer Druck auf die Federal Reserve führte im Finanzmarkt zu Vertrauensverlusten statt echter Lockerung.

Davon profitierte vor allem Gold, dessen Preis zeitweise um knapp 70 Prozent stieg.

Zudem stärken rein dollarbasierte Stablecoins bisher die Position der USA.

Strategische Autonomie durch Infrastruktur

Um die internationale Rolle des Euro zu stärken, setzt Europa auf Kapitalmarktreformen und technische Innovationen.

Die neue Spar- und Investitionsunion soll Fragmentierungen abbauen und Aufsichtsrechte bei der ESMA bündeln.

Zugleich stellte der EZB-Rat die EUREP-Repo-Fazilität für ausländische Notenbanken dauerhaft bereit.

Strategischer Kern bleibt der digitale Euro: Ab Herbst 2026 startet mit dem Projekt „Pontes“ eine Wholesale-CBDC-Variante auf DLT-Basis für den Finanzsektor, die Europas digitale Souveränität im Zahlungsverkehr sichern soll.

Wunschdenken ohne politische Tatkraft

Nagels Appell für mehr Währungssouveränität ist notwendig, greift jedoch ohne echte Integration zu kurz.

Ein digitaler Euro allein stößt den US-Dollar nicht vom Thron, solange der Kapitalmarkt zersplittert bleibt.

Ohne mutige Reformen der Mitgliedstaaten bleibt die größere Euro-Rolle ein reines Wunschdenken.