BIS-Studie: Einlagenstabilität im Wandel – Technologie beeinflusst Abzugsverhalten
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BIS-Studie: Einlagenstabilität im Wandel – Technologie beeinflusst Abzugsverhalten

Ein neues Working Paper des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (BIS) untersucht die Stabilität von Einlagen ohne feste Laufzeit. Die Studie analysiert etablierte Faktoren und neue Entwicklungen, insbesondere den Einfluss von Technologie und Wettbewerb auf das Abzugsverhalten nach den Turbulenzen von 2023.

Einlagenstabilität im Fokus: Traditionelle Treiber und neue Dynamiken

Die Bankenturbulenzen von März bis Mai 2023 haben Fragen zur Stabilität von Einlagen, insbesondere von Einlagen ohne feste Laufzeit (NMDs), aufgeworfen.

Ein neues Working Paper des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (BIS) beleuchtet, inwieweit technologische Innovationen, veränderte Finanzierungsquellen, erhöhter Wettbewerb und regulatorische Anpassungen das Verhalten von NMDs beeinflusst haben.

Die Untersuchung bewertet diese neuen Entwicklungen vor dem Hintergrund traditioneller Faktoren wie Einlagensicherung, Einlegerdisziplin, Einlagenkonzentration und Geldpolitik.

Während die Studie bestätigt, dass viele zentrale Treiber der Einlagenstabilität unverändert bleiben, deuten neuere Erkenntnisse darauf hin, dass verschiedene Faktoren das NMD-Verhalten beeinflusst haben könnten.

Insbesondere die Technologie ermöglicht neue Wege der Informationsbeschaffung, was das Abzugsverhalten bei Unternehmenseinlagen stärker beeinflusst als die reine Geschwindigkeit der Abhebungen.

Der gestiegene Wettbewerb im Bankensektor und zwischen Banken und Nichtbanken könnte die relative Instabilität von NMDs im Jahr 2023 gegenüber früheren Erfahrungen verschärft haben.

Technologie als Katalysator: Informationsfluss und Abzugsrisiko

Technologische Fortschritte beschleunigen den Zugang zu Bankdienstleistungen und intensivieren den Informationsfluss.

Online-Banking erleichtert Einlegern den Transfer von Geldern zu anderen Banken oder in alternative Anlagen wie Geldmarktfonds, was den Einlagenkanal der Geldpolitik stärken und die Einlegerstabilität verringern könnte.

Die koordinierten Abhebungen bei der Silicon Valley Bank (SVB) im Jahr 2023, bei der 85 Prozent der Einlagen innerhalb von zwei Tagen abflossen, sind ein prägnantes Beispiel für die Geschwindigkeit moderner Abzüge.

Online-Plattformen und soziale Medien haben die Informationsverbreitung und das Ansteckungsrisiko massiv erhöht, was Herdenverhalten fördert.

Der weltweit gestiegene Anteil unversicherter Einlagen, 2022 bei 59 Prozent, ist ein traditioneller Instabilitätstreiber, der durch Online-Banking verstärkt wird.

Alte Risiken, neue Beschleuniger

Die Studie bestätigt, dass traditionelle Faktoren wie Einlagensicherung und Bankgesundheit weiterhin die Haupttreiber der Einlagenstabilität sind.

Doch Technologie und erhöhter Wettbewerb wirken als Beschleuniger, die das Abzugsverhalten in Krisenzeiten dramatisch verschärfen können.

Für Aufsichtsbehörden bedeutet dies, ihre Modelle für Einlagen ohne feste Laufzeit dringend an diese neuen Dynamiken anzupassen, um zukünftigen Turbulenzen effektiver begegnen zu können.