Bullock schließt weitere Zinserhöhungen nicht aus
BIS Speech

Bullock schließt weitere Zinserhöhungen nicht aus

RBA-Gouverneurin Michele Bullock schließt nach erneuten Schocks weitere Zinserhöhungen in Australien nicht aus. Trotz höherer Widerstandsfähigkeit als in den 1970er Jahren bleibe der Inflationsdruck durch schwaches Produktivitätswachstum und volatile Rohstoffpreise hoch.

Vom Ölpreis bis zur Kerninflation

Die australische Wirtschaft sieht sich erneut mit geopolitischen Risiken und schwankenden Rohstoffpreisen konfrontiert.

Trotz einer Zinserhöhung zu Jahresbeginn lag die Gesamtinflation im Mai bei 4,0 Prozent und damit deutlich über dem Zielkorridor der RBA.

Die Kerninflation entwickelte sich zwar wie erwartet, verharrt jedoch auf einem zu hohen Niveau.

Ursächlich hierfür sind anhaltende Kapazitätsengpässe im Inland, gestiegene Baukosten sowie die verzögerte Weitergabe höherer Treibstoffkosten an die Verbraucher.

Ein schwaches Produktivitätswachstum erschwert die Rückkehr zur Preisstabilität zusätzlich.

Das RBA-Board beobachtet die Entwicklung genau und ist bereit, den Leitzins bei Bedarf weiter anzuheben.

Lehren aus den Ölkrisen der Siebziger

Ein Vergleich mit den Ölpreisschocks von 1973 und 1979 zeigt eine heute deutlich veränderte Ausgangslage.

Zwar belasten Energiepreisschübe die Haushalte weiterhin spürbar, doch die Abhängigkeit vom Öl ist gesunken.

Glaubwürdige Inflationsziele der Zentralbanken verhindern zudem, dass sich vorübergehende Preisschocks in den Erwartungen festsetzen.

Der Arbeitsmarkt und der Immobilienmarkt reagierten zuletzt etwas schwächer als im Mai prognostiziert.

Dennoch ist das Risiko einer schweren Rezession wie in den 1980er Jahren dank flexiblerer Märkte heute erheblich geringer.

Entschlossenheit statt Restriktionsangst

Bullocks Drohung mit weiteren Zinsschritten zeigt die Entschlossenheit der RBA.

Anstatt auf fallende Zinsen zu hoffen, müssen sich Märkte auf eine längere Phase hoher Leitzinsen einstellen.

Wer die Warnungen zur hartnäckigen Inflation ignoriert, unterschätzt das Risikobewusstsein der Notenbank.

Quelle: Michele Bullock: Monetary policy in an era of shocks

IN: