Rehn warnt vor Inflationsrisiken durch höhere Energiepreise
Olli Rehn sieht die Euroraum-Inflation wegen höherer Energiepreise weiter über dem Ziel. Beim Citi Macro Forum in Bangkok am 14. Oktober 2026 betonte Finnlands Zentralbankchef zugleich die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft und die Chancen künstlicher Intelligenz.
Energie verteuert, Wachstum hält
Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte im September ihre Wachstumsprognose: Für 2026 nennt Rehn knapp 1 Prozent, für 2027 und 2028 jeweils rund 1,5 Prozent.
Verteidigungsausgaben, Infrastrukturinvestitionen und bessere Verbraucherstimmung stützen die Nachfrage.
Finnland profitiert von Exporten und dem Ausbau von Rechenzentren; seine Stromproduktion ist zu 96 Prozent fossilfrei.
Zugleich halten höhere Energiepreise die Inflation über dem Ziel.
Laut Rehn ist der Preisdruck nicht breit angelegt: Das Lohnwachstum bleibt moderat, Zweitrundeneffekte sind bislang begrenzt.
Dennoch haben die Aufwärtsrisiken zugenommen.
Der Nahostkonflikt und schwankende Energiepreise belasten den Ausblick.
KI braucht Verbreitung und Kapital
Künstliche Intelligenz stärkt laut Rehn Investitionen und Innovation.
Europas Aufgabe sei die breite produktive Anwendung, gestützt auf Bildung, digitale Infrastruktur und verlässliche Energie.
Rascher Wandel birgt Risiken durch Kapitalfehlallokation, Bewertungskorrekturen und Marktvolatilität.
Rehn nennt drei strategische Aufgaben: mehr eigene Verteidigungsverantwortung samt gemeinsamer Beschaffung, ein wettbewerbsfähiges und weniger verwundbares Energiesystem sowie höhere Produktivität durch tiefere Kapitalmärkte und weniger Unternehmenshürden.
Preisstabilität ersetzt keine Strukturpolitik
Rehn grenzt die Aufgaben der Geldpolitik klar ab: Sie schafft weder Öl noch sichere Schifffahrtswege.
Ihr Auftrag bleibt, dauerhafte Folgen temporärer Schocks für Inflationserwartungen und Lohnsetzung zu verhindern.
Europas Sicherheits-, Energie- und Produktivitätsaufgaben verlangen andere Instrumente.