Cipollone setzt auf digitales Zentralbankgeld als Finanzanker
Piero Cipollone, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), erläuterte am 6. Oktober 2026 in Frankfurt die Strategie für digitales Zentralbankgeld. Digitaler Euro, Pontes und Appia sollen Europas Zahlungsverkehr und tokenisierte Finanzmärkte verbinden.
Haltegrenzen schützen die Bankeinlagen
Der digitale Euro soll Bargeld ergänzen, online und offline funktionieren und über Banken sowie regulierte Zahlungsdienstleister verfügbar sein.
Er wäre unverzinst; Haltegrenzen und automatische Transfers zu verknüpften Bankkonten sollen Einlagenabflüsse begrenzen.
Für das Europäische Parlament prüfte die EZB Grenzen von 500 bis 3.000 Euro bei 2.025 Banken.
Bis 2034 veranschlagt sie digitalisierungsbedingte Einlagenzuflüsse von 127 Mrd. Euro: 0,4 Prozent der Bankaktiva oder 1,5 Prozent der täglich fälligen Retaileinlagen.
Ohne diese Zuflüsse sinken bei 3.000 Euro die Liquiditätsdeckungsquote von 166 auf 163 Prozent und die stabile Finanzierungsquote von 128 auf 127 Prozent.
Im Extremfall erreichen 13 Banken 100 Prozent Liquiditätsdeckung; neun riskieren eine Unterschreitung.
Eine Haltegrenze ist nicht beschlossen.
Pilot vor möglicher Ausgabe
Zwei Drittel der Kartenzahlungen nutzen internationale Systeme; 13 von 21 Euroländern haben kein eigenes Kartensystem.
Der EU-Rat bezog im Dezember 2025 Position, das Parlament im Juli 2026; die Trilogverhandlungen laufen.
Erst nach Verabschiedung des Gesetzes entscheidet der EZB-Rat über die Ausgabe.
Bei Abschluss bis Ende 2026 strebt die EZB Ausgabebereitschaft für 2029 an.
Der zwölfmonatige Pilot soll im zweiten Halbjahr 2027 mit 36 Zahlungsdienstleistern starten, ausgewählt aus über 50 Bewerbungen.
Das Eurosystem würde die Kerninfrastruktur finanzieren und keine System- oder Abwicklungsgebühren erheben.
Zentralbankgeld verbindet die Plattformen
Pontes wickelt seit 21. September 2026 tokenisierte Geschäfte in Zentralbankgeld ab.
Bis Mitte 2028 plant das Eurosystem einen Betrieb rund um die Uhr, mehr Programmierbarkeit und mehrere Währungen.
Appia soll 2028 einen Entwurf für ein integriertes Ökosystem vorlegen und inkompatible Plattformen verhindern.